Schlagwort-Archiv: silencing

lach doch mal

ein lächeln kostet nichts
günstiger als strom
und spendet mehr licht
erhellt sogar das innen

ein lächeln kostet nichts

außer
meinen körper
meine wahrnehmung
und meine selbstachtung

die fähigkeit zu sagen,
wenn etwas nicht okay ist
die fähigkeit,
das überhaupt zu merken

„Nicht-konsensualer Sex“

Dies ist ein Text über „nicht-konsensualen Sex“. Er bezieht sich auf Erfahrungen, auf Diskussionen und ganz aktuell auch auf zwei Blogtexte, die ich einfach hier echt nicht verlinken möchte. Keine Verlinkungen für Kackscheiße. Mein Text ist nichts neues. Ein paar chaotisch-strukturierte Gedanken und Analyseelemente zu dem Thema. Einfach mal rausgehauen.

 Beispiele und problematische Muster

Was wird denn so zu diesem „nicht-konsensualem Sex“ gezählt? Ein paar Beispiele. Weiterlesen

Mobbing. Hate-Gedankenspiralen und Angst vor Menschenkontakt

Versteht mich nicht falsch. Das ist kein Text gegen Ausschluss. Ausschluss ist super wichtig, wenn es einen politischen Hintergrund gibt. Es kann gute Gründe geben, mit Menschen nicht reden zu wollen. Aber hier geht es um was anderes. Hier geht es um eine Erfahrung von mir. Eine grausame Zeit. Ich teile das mit euch. Auch die Selbstverachtung, die in mir immer noch Raum einnimmt. Hate-content. Vielleicht wollt ihr auch was teilen. Ich bitte darum. Auch um Links auf eure Texte. Aber es geht nicht um von einer emanzipatorischen! Politik gewollte Ausschlüsse. Sondern um eine willkürliche Gewalt, die mein Leben krass geprägt (und für lange Zeit ruiniert) hat. Diesen Text stückel ich seit Monaten zusammen. Ich bin immer noch nicht zufrieden. Weil ich keinen Ausdruck finde. Aber hier ist ein Versuch. Wenn ihr es lieber literarisch wollt: Nicht da, nicht Pusteblume (hier auch vorgelesen) Hässlich und Felsgestein.

Diese plötzlichen Hassmomente. Wo ich innerlich aufspringe und mir so heftig schaden möchte, weil ich „wieder alles falsch gemacht habe“. Weil ich verunsichert bin und voller Panik. Immer so wie ein heftiger Schlag ins Gesicht. Zack, und diese Gefühle, dieser Selbsthass ist wieder da. Ich mag mich nicht mehr hassen. Ich mag nicht mehr Selbsthass als Schutzmantel nutzen. Schön nochmal einen Seitenhieb gegen sich selbst, dann müssen andere das nicht übernehmen. Haha, ich war die erste, ich kann kontrollieren wer mich verletzt. Ätschibätsch.

Weiterlesen

„Self-harm WORKS.“ Eine blutige Sprache und ihr emanzipatorischer Gehalt

Weiter geht es in der Wahnsinnsreihe mit dem Thema Selbstverletzung.Gedichte und Prosa gibt es schon einiges zum Selbstverletzung von mir: Narbenkind, verkleidet, Nur ein Gedanke, Gewitterkind, Fassadenrisse, Schritt für Schritt.
Im folgenden Text will ich Selbstverletzung als Kommunikation lesen. (Ich beziehe mich meist aufs Schneiden, das Meiste gilt aber auch für viele andere Formen der Selbstverletzung.) Viele der Gedanken hat auch Clare Shaw (Ich empfehle besonders das erste Gedicht mit dem tollen Satz „I do not believe in silence.) bei einer Tagung toll in Worte gefasst, daher ist der Artikel sehr von ihr inspiriert. Außerdem lese ich gerade ein tolles Buch: A Bright Red Scream von Marilee Strong. Und dann stelle ich noch nebenbei die steile These eines emanzipatorischen Charakters von Schnitten in die eigene Haut auf. Widersprüchlichkeiten versprochen. Weiterlesen

Narbenmund


Ich suche nach Worten um der Sprachlosigkeit zu entfliehen.
Nach Worten, die stark genug sind.
Nach wütenden Worten.
Nach kleinen Worten.
Nach Worten die über das Leben erzählen.

Mein Alter? Meine Geschichte? Meine Wunden?
Ich kann dir Zahlen nennen. Daten. Einschnitte. Meinen Geburtsort, meine Schule, meinen Abschluss, meinen Wohnort. Ich kann dir mein Lieblingsessen nennen und meine Hobbys. Meine liebsten Bücher und Filme. Auch meinen Studiengang und Zukunftsschlussfolgerungen.

Ich kann dir sagen, was in dieser Welt falsch läuft. Ich kann stundenlang über Foucault reden, tagelang über politische Streitpunkte senieren. Ich kann die Welt anklagen, weil sie ungerecht ist.

Aber das ist nur ein Teil.
Wenn ich auf meine Welt schaue, sehe ich einen Scherbenhaufen.
Scherben, an denen ich mich verletze, wenn ich versuche sie zusammenzusetzen.
Ich stehe in den Seelentrümmern meines Lebens und kann sie nicht begreifen. Ich fühle Schmerz, doch ich finde keine Worte, die ihn fassen können.
Ich versuche zu sprechen. Mit Bildern, Wunden und Hilflosigkeit.

Ich spüre Hunger. Hunger, für den es keine Nahrung gibt. Ein Mensch am Verdursten in der Wüste der Sprachlosigkeit.
Kommunikation. Interaktion. Beziehungs- und Sachebene. Missverständnisse.
Missverständnisse setzen Verstehen voraus. Missverstehen. Aber verstehen.
Ich lebe in einer fremden Welt, deren Sprache ich nicht behersche.
Ich kann mich anpassen.
Funktionieren.
Interkulturelle Kommunikation.
Kommunikation ohne Verstehen.

Seelennarben ohne Übersetzung.

Repetitionswut

Mit der Zeit wird es taub in mir,
nichts ist mir mehr zuwider als
Wiederholungen,
stumpfes Imkreismarschieren

Jedes Wort, jeder Satz, jedes Gedicht –
immer aufs neue der Versuch im Kreis marschierend Maschinengeschichten zu erzählen

imkreismarschieren
Kreismaschine
Imkreismaschierendemaschine

voller Wut
maschinierte Wut

Imkreismaschierendemaschinenwiederholungswut

Fassadenrisse

Kaputt

Sie sieht sich nicht an, weicht dem Spiegel aus.
Will sie nicht sehen, diese kalten, leeren Augen, in einem fetten und zerstörten Körper.
Sie ekelt sich, weicht zurück.
Durch ihre leeren Augen schimmert ein Stück Wahnsinn.
Sie sieht doch so normal aus – und innen tobt ein Wirbelsturm, ein Chaos.
Die Kraft ist ihr entwichen, die Kraft eine Lüge aufrecht zu erhalten.

Und sie bricht auf dem Bett zusammen, schlägt auf sich ein, wirft sich gegen die Wand, rächt sich an dem abstoßenden Stück Fleisch, will es zerstören.
In blinder Wut nimmt sie alles um diesem Körper wehzutun.
Sie sucht nach einem Messer, um es sich in den Bauch zu rammen. Ganz tief. Um das Fett rauszuschneiden, den Beweis ihres Versagens.
Sie ist losgelöst von der Welt, ihr eigenes Chaos hat sich nach draußen gedrängt und übernimmt die Macht.
Zurück bleibt ein erschöpfter, blutender Körper – zerstört wie ihre Seele.

Gegangen

Die Frau sitzt am Tisch. Sie lächelt ihre Familie an. Alles ist perfekt und harmonisch. Sie hat gekocht, dem Mann und den Kindern schmeckt es. Sie sind eine moderne Familie. Ihr Mann wird abräumen und den Kindern bei den Hausaufgaben helfen. Damit sie Zeit für ihre Arbeit hat. Heutzutage teilen sich Eheleute die Hausarbeit. Es ist ihnen wichtig, mit der Zeit zu gehen. Sie sind eine ideale Familie. Die Kinder bekommen Liebe und Aufmerksamkeit. Es gibt Regeln, aber auch Freiheiten. So wie es sein soll. Der Mann lächelt die Frau an. Er ist stolz auf sie. Wie sie alles schafft. Sie hat eine Beförderung bekommen. Er hat eine erfolgreiche Frau. Am Abend werden sie ausgehen. Ohne die Kinder. Für die kommt ein Babysitter. Der Mann zieht sein Jacket an. Die Frau ist oben und wirft sich in Schale.
Denkt er.
Sie ist unpünktlich, wo bleibt sie bloß? Der Mann geht die Treppe nach oben, er öffnet die Tür zum Bad – und da sieht er sie am Boden liegen. Eine heile Welt plötzlich zerstört.