Schlagwort-Archiv: Privilegien

Kritik der Selbst-Fürsorge. Plädoyer für einen kämpferischen Feminismus

Vor einem dreiviertel Jahr habe ich schon einen Text geschrieben zur Kritik der (Repro) Selbstfürsorge. Manches wiederholt sich sicherlich, manches ist auch neu. Aber ich habe schon damals darüber geschrieben, dass es um Kontrolle, Selbstzwang und Disziplinierung geht. Um Funktionsfähigkeit und Individualisierungen. Diesmal geht es nochmal näher um eine Problematisierung von „Fürsorge“, um einen normativen Gesundheitsdiskurs und eine schärfere Kritik an allem was „Selbstfürsorge und_vs_oder Aktivismus“ heißt. Es tauchen vermehrt Texte auf deutschsprachigen Blogs auf, die sich mit Krisen beschäftigen. Leider bedienen diese fast durchweg psychologisierende und pathologisierende Begrifflichkeiten. Selbstfürsorge macht da keine Ausnahme. Der Ursprung in christlichen Herrschaftspraxen fällt meist unter den Tisch, die gewaltvollen Zusammenhänge von Begriffen und Praxen, besonders mit der Psychiatrie, werden verharmlost. Ich möchte keine persönlich angreifen, die bestimmte Praxen fürs sich nutzt. Ich möchte mich selbst auch nicht von dem hier kritisierten ausnehmen, nur falls da eine drauf kommt. Es geht mir darum, Strukturen aufzuzeigen und feministische Praxis herrschaftlichen Praxen entgegenzusetzen, statt diese zu bedienen. Einige Gedankenfetzen aus meinen aktuellen Radikalisierungsprozessen. Weiterlesen

Hetenperformance

Edit 17.12.12: Dies ist kein ausdifferenzierter Beitrag über Heterosexualität oder gar eine Anleitung dazu, wie heterosexuelle Menschen ihre Beziehungen moralisch korrekt leben sollen. Es geht weder um Moral noch um Anweisungen, sondern darum eine ständige Überrepräsentanz von heterosexueller paarnormativen Bezeihungsform in der Öffentlichkeit zu thematisieren. Einfach ein paar unsortierte Rage-Gedanken zu bestimmten Inszenierungen, die durch die eigene Vormachtsstellung andere Formen von zwischenmenschlichen Beziehungen und Liebe unsichtbar machen. Ich kann euch nicht sagen wie ihr eure intimen Kontakte gestalten sollt, ich kann nur sagen, was mich in den letzten Tagen und Wochen aufregte, weil es ganz viel klein macht, was mir wichtig ist – gepaart mit „aggressiver“ Rumspekuliererei. Wenn euch das nicht passt, lest besser ab jetzt nicht weiter.

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„Das fühlt sich an wie ein Tritt vors Schienbein“

Zum Teufel mit diesen ach so emanzipierten, links-alternativen und vorzugsweise auch noch toleranten Studenten, die meine Nerven immer wieder arg strapazieren. Die Kategorie von Typen, die dir einen sexistischen Spruch drücken, am Besten sogar übergriffig verhalten und dann bei einer Konfrontation von sich geben: Ich bin doch auf deiner Seite Mädchen, ich habe da doch mal dieses Genderseminar besucht. Wahlweise zuschlagen oder Luft holen und weiterlesen. Es gibt garantiert noch weitere Gelegenheiten. Beliebte Sätze sind „Sei doch nicht so aggressiv, das bringt die Sache doch auch nicht voran“ oder „Du kannst das doch nicht so pauschalisieren“ oder Fragen wie „Findest du nicht, dass du etwas überreagierst?“. Nein finde ich nicht. Ich reagiere nicht über. Ich reagiere überhaupt, was offensichtlich ein paar Weltbilder durcheinander bringt. Und wenn mir dann einer kommt mit „was bist du denn auch so aggressiv“, hola, da kriege ich aber Gewaltfantasien. Um sich mit Diskriminierung auseinanderzusetzen wird inzwischen oftmals im wissenschaftlichen Diskurs versucht nicht über Diskriminierte sondern über Diskriminierende zu sprechen. Also eine Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien. Privilegien, die Menschen haben weil sie weiß, männlich, nicht-behindert, bürgerlich, Teil der Normgesellschaft sind. Ich verstehe, dass es nicht leicht ist. Ich schrecke auch immer wieder zurück wenn ich merke, dass Aussagen von mir beispielsweise rassistisch sind. Weil ich es nicht sofort gemerkt habe, weil ich weiß bin und bürgerlich erzogen, weil ich nicht körperlich behindert bin. Gerade deswegen passieren mir so scheiß „Kleinigkeiten“ wie die Bezeichnung „hautfarben“ zu verwenden. Das ist diskriminierend, setzt eine rassistische Norm – und ich bin privilegiert weil ich mich nicht damit auseinandersetzen muss, sondern die Wahl habe darüber zu reflektieren oder auch nicht.. Vielleicht fehlt diese Sensibilität für die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit eigenen Privilegien, wenn eine Person nicht so sehr von strukturellen Diskriminierungen negativ betroffen ist.Nachfühlen, hey, dann kann er das ja voll verstehen wie das ist als Frau zu leben, er hatte es ja auch nicht immer leicht. Kategorie verständnisvoller weißer Mann, ganz empathisch und total an der Sache interessiert. Da koche ich so richtig in mir drin. „Diese Vorwürfe, dieser aggressive Ton, das fühlt sich an wie ein Tritt vors Schienbein.“ Genau. Bestanden. Das soll es auch sein.