Kategorie-Archiv: Zum Teufel mit…

Externalisierung von Gewalt gegen Frauen

Zum Teufel mit der verdammten Externalisierung von Gewalt gegen Frauen. Immer woanders. Andere Länder. Im Park. Bloß nicht im Alltag. Bloß nicht bei den Männern, die Umfelder gestalten. Alles die Frauen. Ich krieg das kotzen wenn ich sowas lese und höre.
Erst gestern live auf einer Veranstaltung zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Der Inhalt ging von „Früher war es ja viel schlimmer“, „in arabischen Ländern ist es voll krass“, „meine muslimische Freundin“ und „damals als ich in Kolumbien war“ bis zu „das trifft ja aber auch auf Männer zu“, „Frauen sind nunmal schwächer“, „diese Zahlen zweifel ich an“ und „Kachelmanns Freundin hat ja auch ihren Fankreis“. Weiterlesen

„Machen Sie doch einfach mal Sport“

Zum Teufel mit eurem scheiß Sport! D a s Allheilmittel für alles.
Du bist traurig oder unglücklich? – Geh raus, mach Sport.
Du fühlst dich zu dick? -Geh joggen, dann nimmst du auch ab.
Du kannst vor Alpträumen nicht schlafen? -Nach dem Sport schläfst du besser.
Das ist echt absurd, wann und wo ich mir diesen Satz anhören muss. Völlig unabhängig davon ob ich mich tatsächlich nicht bewege oder fünfmal die Woche zum Sport gehe. Irrelevant. Die Frage entsteht dadurch, dass ich wahlweise als „übergewichtig“ oder „fett“ definiert wurde/werde. Selbst als ich ne Mittelohrentzündung hatte, fragte die Ärztin, ob ich mich denn bewegen würde. Großartiger Zusammenhang.
Besonders gelungen fand ich diesen Satz immer von Therapeut_innen. Die haben das auch wirklich alle gesagt. Stellt euch einmal folgende absurde Gesprächsfetzen vor:

„Ich habe ein Problem mit meinem Körper.“
„Gehen Sie doch mal Joggen.“
„Ich hasse meinen Körper.“
„Sie sollten mehr Sport machen.“
„Mir hat ein Typ gesagt mein Outfit wäre zu gewagt.“
„Mit Sport nehmen sie bestimmt ab.“

Da bleibt bei mir nur WUT. Dieses Gefühl, wo vor Wut die Tränen kommen.
Fällt eigentlich nur mir auf wie wenig die Reaktionen mit dem zu tun haben was ich da gesagt habe? Wie wenig die Lösungsvorschläge auf meine Probleme eingehen? Keine einzige Nachfrage, woran das überhaupt liegt, dass ich mich so unwohl in meiner Verpackung fühle. Gleich die Lösung. Und diese Lösung soll, wie am Ende deutlich wird, auch nicht für meine negativen Gefühle da sein, sondern tatsächlich zunächst ganz klar für eins: Abnehmen.
Ich halte das für eine total großartige Idee, diese Botschaft Menschen mitzugeben, die es eh schon geschafft haben, ihrem Körper genau dem Wert selbst beizumessen, den eine patriarchale Gesellschaft ihm zuschreibt. Minderwertiges Objekt.
Den Gedanken, dass ich gerade vielleicht ganz andere Sorgen habe und mich diese Anforderung nur noch mehr daran erinnert, nicht genug zu sein, hässlich / faul / unsportlich / undiszipliniert – eben all das was fette Menschen in unserer Gesellschaft sein sollen – den Gedanken, dass ich ganz andere Sorgen haben könnte, der kommt anscheinend nur mir.
Ich habe es sogar mal versucht. So wie manchmal eben die Verzweiflung so groß ist, dass sich jedes Heilsversprechen irgendwann gut anhört. Einen Sommer lang intensiv. Mehrmals Training, mehrmals Laufen zusätzlich. Nicht, dass es nicht Spaß gemacht hätte. Im Schlamm prügeln ist echt nicht schlecht als Ansatz. Aber es hat kein einziges Problem gelöst. Weder habe ich ein Kilo abgenommen, noch habe ich mich besser gefühlt.
Und irgendwann konnte das, was mir der Sport geboten hat, nicht mehr gegen den Schmerz an, den er verursacht hat. Sportklamotten vermitteln mir das Gefühl nackt zu sein, egal wie weit sie sind. Die Blicke von außen machen es nicht besser. Und es ist ein verdammt scheiß Gefühl, dem verhassten Körper und den Blicken der anderen so sehr ausgeliefert zu sein.
Und wenn ich dann während dieser Zeit zum Arzt gehe und mir den Vorschlag anhören muss ich solle doch mal Sport machen – wegen meinen Problemen – dann will ich nur noch alles kurz und klein schlagen.

„Ich ess halt gerne“

Zum Teufel mit: „Ich ess halt gerne“. Weil ich so dick bin muss ich irgendwas dazu sagen wenn ich esse. Oder auch einfach warum ich bin wie ich bin. Einfach so. Erklären müssen. Und eben besonders wenn ich etwas esse. Ich könnte sagen: Ich versuchs gerade eh mit ner Diät. Lüge. Ich könnte sagen: Ich mag mich so.Lüge. Ich könnte sagen „Ich ess halt gerne“. Lüge.
Ich hasse essen. Ich habe nichts gegen ein leckeres Essen beim Weggehen und ich liebe es aufwendig zu kochen. Aber dabei geht es nicht ums Essen. Da ist doch selbst der Wein wichtiger. Hauptsache die Menschen stimmen. Ja, dann kann selbst essen nett sein.
Ich hasse essen.
Ich hasse es, essen zu müssen. Ich würde am liebsten gar nicht mehr essen, nichts. Auf keinen Fall normale Nahrung. Abbeißen, kauen, schlucken.Abbeißen ist grauenvoll. Kleine Bissen gehen. Süßigkeiten. Knabberzeug.
HAHA, da haben wir den Fehler. Die Dicke isst nur ungesunden Scheiß!
Ich könnts mögen. Auch wenn es keinen Unterschied macht ob ich jetzt sage: Ich mags halt oder ob ich sage, dass ich es abgrundtief hasse. Fest stehen bleibt der Vorwurf: Die Dicke isst nur ungesunden Scheiß.
Bingo.

Oft bringe ich keinen Bissen runter.
Ich hörs schon.
Wie kannst du denn so fett sein wenn du essen so hasst? Wenn deine Kehle ach so zugeschnürrt ist?
Ich würde lieber zuschlagen als antworten. Schlimmer noch ist, dass es kaum Menschen aussprechen. So kann ich wohl auch schlecht antworten. Es traut sich keine_r zu fragen. Aber denken tun es viele. Irritiert sind sie, wenn ich sage dass ich oft nichts essen kann. Dass ich Essen vergesse wenn ich Stress habe. Dass es mich anekelt und ich oft nur esse, weil ich nicht darauf achte sondern es einfach hinunterschlinge.
Wäre es dann nicht besser weniger zu essen, wenn ich es doch eh will, ich könnte dann doch einfach mal eine Weile nichts mehr Essen, bis ich weniger fett bin.
Yeah, guter Plan. Eigentlich dachte ich, ich lass das mit der Selbstzerstörung mal.
Ich übertreibe? Bin wieder übermäßig sarkastisch, nicht lustig und auch nicht schön zu lesen?
Kann schon sein.
Mir ist auch nicht nach Spaß.
Mein Bauch grummelt. Zieht sich zusammen. Kommuniziert. Ich versuche zu übersetzen, verstehe die Sprache nicht. Wie immer. Ich versuche den Kontext zu betrachten. Versuche abzuleiten, was diesmal Thema ist. Zu wenig. Diesmal war es wieder zu wenig. Nur drei Schnitten und ein kleiner Teller Nudeln. Eine Birne. Ja, zu wenig.
Nicht-Handeln ist die Aktion der Wahl.
Ist doch eh besser so, was?
Bitterkeit, ein viel zu vertrautes Gefühl.
Wann habe ich das eigentlich alles geschluckt?
Langsam werde ich wütend.

„Das fühlt sich an wie ein Tritt vors Schienbein“

Zum Teufel mit diesen ach so emanzipierten, links-alternativen und vorzugsweise auch noch toleranten Studenten, die meine Nerven immer wieder arg strapazieren. Die Kategorie von Typen, die dir einen sexistischen Spruch drücken, am Besten sogar übergriffig verhalten und dann bei einer Konfrontation von sich geben: Ich bin doch auf deiner Seite Mädchen, ich habe da doch mal dieses Genderseminar besucht. Wahlweise zuschlagen oder Luft holen und weiterlesen. Es gibt garantiert noch weitere Gelegenheiten. Beliebte Sätze sind „Sei doch nicht so aggressiv, das bringt die Sache doch auch nicht voran“ oder „Du kannst das doch nicht so pauschalisieren“ oder Fragen wie „Findest du nicht, dass du etwas überreagierst?“. Nein finde ich nicht. Ich reagiere nicht über. Ich reagiere überhaupt, was offensichtlich ein paar Weltbilder durcheinander bringt. Und wenn mir dann einer kommt mit „was bist du denn auch so aggressiv“, hola, da kriege ich aber Gewaltfantasien. Um sich mit Diskriminierung auseinanderzusetzen wird inzwischen oftmals im wissenschaftlichen Diskurs versucht nicht über Diskriminierte sondern über Diskriminierende zu sprechen. Also eine Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien. Privilegien, die Menschen haben weil sie weiß, männlich, nicht-behindert, bürgerlich, Teil der Normgesellschaft sind. Ich verstehe, dass es nicht leicht ist. Ich schrecke auch immer wieder zurück wenn ich merke, dass Aussagen von mir beispielsweise rassistisch sind. Weil ich es nicht sofort gemerkt habe, weil ich weiß bin und bürgerlich erzogen, weil ich nicht körperlich behindert bin. Gerade deswegen passieren mir so scheiß „Kleinigkeiten“ wie die Bezeichnung „hautfarben“ zu verwenden. Das ist diskriminierend, setzt eine rassistische Norm – und ich bin privilegiert weil ich mich nicht damit auseinandersetzen muss, sondern die Wahl habe darüber zu reflektieren oder auch nicht.. Vielleicht fehlt diese Sensibilität für die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit eigenen Privilegien, wenn eine Person nicht so sehr von strukturellen Diskriminierungen negativ betroffen ist.Nachfühlen, hey, dann kann er das ja voll verstehen wie das ist als Frau zu leben, er hatte es ja auch nicht immer leicht. Kategorie verständnisvoller weißer Mann, ganz empathisch und total an der Sache interessiert. Da koche ich so richtig in mir drin. „Diese Vorwürfe, dieser aggressive Ton, das fühlt sich an wie ein Tritt vors Schienbein.“ Genau. Bestanden. Das soll es auch sein.

Erwachsensein statt the L-word

Zum Teufel mit all denjenigen, die immer Kinder sein wollen. Kinder sind nicht cool. Kinder sind grausam, ignorant und egoistisch. Kinder übernehmen keine Verantwortung. Ich mag Spielplätze. Ich mag Albernheiten und Wasserschlachten. Aber nichts ist anstrengender, als mit Menschen zu tun zu haben, die sich verzweifelt an ein idealisiertes Bild von Kindheit klammern und es nicht schaffen, in der Realität anzukommen. Zugegeben, Realität ist scheiße. Also so wirklich. Aber es gibt kein zurück, kein zurück in einen Bauch in dem alles kuschelig und sicher ist. Kein Zurück in die Embryostellung. Erstens gibt’s generell kein zurück und zweitens ist es auch nicht sonderlich erstrebenswert wieder den Bauch einer Frau zu besetzen die sich dann nur eingeschränkt bewegen kann – und das, um in Fruchtwasser herumzudümpeln. Ich finds eher ziemlich eklig. Was ist daran erstrebenswert, wenn andere für einen Selbst Entscheidungen übernehmen? Wenn man selbst die Verantwortung nicht tragen will – wer übernimmt sie dann? Und wie kann man dann ein emanzipatorisches Leben führen? In Liebesdingen wechselt es dann von Kindheits auf Teeniebene. Beziehungen werden per ICQ gestartet und per Facebook beendet. Im Freundeskreis wird alles im Detail analysiert. Ein Drama topt das nächste. Auf lesbisch wie in „The L-word“ auf hetero wie in jeder x-beliebigen anderen Serie. Nicht das mir so was nicht auch schon mal passiert wäre. Ich habe durchaus einen Hang zum Drama. Eskalieren und aus Verzweiflung heulend auf dem Teppich zusammenbrechen. Und Drama lässt sich nicht immer vermeiden. Dreiecksgeschichten, einseitige Liebe und (oft ungewollter) Betrug. Situation die einfach weh tun. Aber gerade dann, gerade wenn das Leben eh so schmerzhaft ist, ist es doch wichtig, Verantwortung zu übernehmen. Damit es nicht für alle Beteiligen noch schmerzhafter wird. Es braucht keine Teeniestreiterein, kein stressiges Hin und Her, kein ständiges Weglaufen vor den eigenen Gefühlen. Konfrontation mit sich selbst statt Soapdramen, die nur einen schalen Ersatz für echte Emotionen bieten können. Das endet doch in nur noch mehr Schmerz. Statt weglaufen und das Leben dem Fernseherdrama anzugleichen, einer illusionären Kindheitsromantik zu frönen wäre die Realität doch noch ein Alternative. Auch wenn es eine Blase ist, eine feministische Seifenblasenglitzerwelt. Es passiert genug. Das Leben ist eben nicht langweilig. Also meins zumindest nicht. Aber ständig flüchten wir in Soaps. Nur, um sich nicht mit dem eigenen Leben zu beschäftigen. Nur, weil der Mut fehlt auf zu stehen und zu sagen: „Ich find dich gut“ oder auch „So leider nicht für mich“. Für Verantwortung und Erwachsensein und selbstgestaltete Seifenblasenwelten statt Kindlichkeitsvergötterung und Teeniefacebookquark.

Methodenwahn

Man geht nichts ahnend zur Schule, müde und unausgeschlafen und will nur, dass der Morgen möglichst schnell vorrüber geht. Doch die Rechnung geht nicht auf. Am Tag zuvor war eine Lehrerfortbildung zum Thema Lernmethodik.
Panik bricht aus. Was wohl diesmal kommt?
Chemieunterricht. „Zieht bitte alle eine Karte. Wir bilden heute Expertengruppen. Ihr erarbeitet jeweils ein Thema und setzt euch dann anders zusammen. Also zuerst setzten sich A B und Cs zusammen und dann die einser und zweier und so und erklären sich jeweils das Thema.“ Na klar, alles verstanden. Chaos im Klassenzimmer. Die ersten 15 Minuten sind für die Erklärung, das Kärtchen ziehen und Gruppen bilden draufgegangen. Es folgen haufenweise Texte mit unverständlichem chemischen Gewurschtel. Die Gruppe muss sich erstmal zusammen finden und beginnt dann, nach einiger Überwindung, die Texte zu lesen. In der breiten Masse herscht großes Unverständnis vor. Einige verstehen den Sinn jedoch sofort und mache sich ans abarbeiten der Aufgaben. Und der Rest sitzt doof da und ist gerade dabei, die Zusammenhänge wenigstens in Ansätzen zu begreifen, als der Lehrer feststellt, dass die Stunde bald zu Ende ist. Eine weitere große Umsetzaktion erfolgt. Jetzt sitzen in jeder Gruppe so ungefähr 5 Leute, die den Anderen jetzt ihr Thema erklären dürfen. In ca. 10 Minuten, da der Zeitplan sowieso nicht aufgeht. Und in der nächsten Woche wird dann ein Test geschrieben.
Schulunterricht der Moderne. Gegenseitiges vermitteln von nicht vorhandenem Wissen. Soll unsere sozialen Kompetenzen fördern. Die Guten helfen den Schlechten und so.
Früher, als ich noch in der Fünf war, da was Gruppenarbeit noch etwas Besonderes und alle haben sich gefreut. Das bedeutete wochenlang an einem Thema ganz intensiv zu arbeiten, zu Hause und in der Schule, mit viel Begeisterung und Freiheit – und meist mit den engsten Freunden.
Heute sieht das anders aus. Man soll schließlich Fähigkeiten wie Teamarbeit und so lernen. Deswegen lernen die LehrerInnen auf ihren Fortbildungen ganz tolle Ideen zur Gruppenbildung. Besonders beliebt ist die Kartenmethode. Ob das jetzt nun normale Spielkarten sind oder A-B-C-Karten oder welche in verschiedenen Farben oder Formen, am Besten noch mit unterschiedlichen Zahlen und Buchstaben bedruckt, damit man viele verschiedene Variationsmöglichkeiten zur Gruppenbildung hat. (Damit jeder und jede möglichst vielen anderen Nicht-Wissen vermitteln kann) Die faulen LehrerInnen zählen schlicht und einfach durch, und die mit einem Überschuss an Kreativitätspotenzial bevorzugen Zuordnungsmethoden mit Hilfe von Puzzeln. Ich frage mich da als Schülerin manchmal, was noch folgen soll. Vielleicht Gruppenbildung nach Haarfarbe?
„Witzig“ wird es dann auch nochmal, wenn jemand aus der Gruppe der ganzen Klasse die Ergebnisse vortragen soll. Hier ist der nicht ausgelebten Kreativität mancher LehrerInnen keine Grenzen gesetzt. Ob derjenige mit der kleinsten Schuhgröße, oder diejenigen mit dem spätesten Geburtsdatum im Jahr, oder derjenige mit der geringsten Körpergröße, ob gewürfelt wird oder Karten oder Streichhölzer gezogen werden – der Fantasie wird hier keine Grenzen gesetzt. Irgendwo muss man die ja im schulischen Alltag loswerden… Doch wenn es dann zu Überlegungen kommt, bei welcher Person der letzte Buchstabe des Namens zuerst im Alphabet kommt, sollte man darüber nachdenken, ob sich nicht Malkurse als Alternativ-austobe-Möglichkeit anbieten würde.
Aber stattdessen finden weitere Fortbildungen statt, die dazu führen, dass Referate als Theaterstücke, Raps, Evening-shows oder so gehalten werden. Das bedeutet: maximaler Aufwand für minimalen Inhalt. Ich habe so dass Gefühl, dass da jemand das Optimierungsprizip nicht ganz verstanden hat: es geht um minimalen Aufwand für das bestmögliche Ergebnis, nicht umgekehrt…

Von dieser Entwicklung bleiben Schülerinnen und Schüler natürlich nicht unberührt. Irgendwann stellt sich etwas ein, was ich hier jetzt einfach mal „Klippertschädigung“ nenne. (Klippert war son‘ Typ der sich ganz viele tolle Methoden zum Lernen ausgedacht hat…)
Die geschädigten SchülerInnen mussten viel über sich ergehen lassen, besonders durch die vielen verschiedenen Variationen der Gruppenarbeit.
Klippertschädigungen entstehen auch durch Klassenspaziergänge wo jeder und jede sich selbst laut vorliest, oder wenn Referate im Übermaß verteilt werden und dann mit bunter Farbe auf Plakate drapiert werden müssen, alternativ auch mit Powerpointpräsentationen und tollen Handouts gekoppelt.
Schwerwiegend wird diese Schädigung dann, wenn SchülerInnen auch in ihrer Freizeit anfangen Gruppen zu bilden und sich nach der Reihenfolge der Geburtstage ihrer Elternteile zuordnen.
UrheberInnen dieser Schädigung sind nicht nur (vorwiegend junge) Lehrerinnen und Lehrer, sonders auch so morderne Veranstalten wie ein Methodentraining. Die LehrerInnen leiden vermutlich an einer speziellen Refrendarskrankheit, Zwangsneurosenähnlichen, die sie dazu zwingt, bedingungslos vor dem Methodenwahn zu kapitulieren.
Die Trainings finden heutzutage vermehrt in der Unterstufe statt, um frühzeitig zuzuschlagen. Und um alle SchülerInnen zu erwischen, die man nicht im Kindesalter traumatisieren konnte, wird dies dann noch einmal in der Oberstufe aufgegriffen, wahlweise in Form von Aktionstagen oder Stufenfahrten mitten ins Nirgendwo. Hier lernt man die super nützlichen Begriffe wie „skippen“ und „scannen“ (die beziehen sich darauf wie man einen Text am Besten liest oder eben auch nur halb liest…) und erfährt, dass man ein Referat auch als Gesangsstück halten kann, wenn man den Gehalt des zu vermittelnden Wissens möglichst gering halten will.

Nur wenige SchülerInnen bleiben heute von diesem Methodenwahn verschont, und in wenigen Jahren werden alle an Klippertschädigungen leiden, wenn die methodenresistenten LehrerInnen ausgestorben sind. Aber bestimmt wird uns das allen später im Berufsleben helfen, wenn wir wissen, dass man zum Lernen mit einem Buch laut vorlesend durch die Gegend laufen kann. Meiner Meinung nach macht dass eher einen Eindruck als wäre man reif für die Irrenanstalt, aber man kann die Dinge schließlich immer so und so betrachten…