Schlagwort-Archiv: Sprache

sprachlospuzzel

ich greife nach den worten, kann sie nicht finden.
ich greife nach dem sinn, aber kann nicht verstehen.
versuche die brücke wieder zu finden zur welt.
ich bin nicht traurig.
ich bin ruhig.
so ruhig wie ein hardcore konzert.

ich habe angst.
ich suche nach sprache und kann sie nicht finden.
habe angst vor der wortlosigkeit.
angst das nur
nur scharfes messer auf haut
nur essen körper fressen hungern kotzen
wieder die einzige
sprache wird
in der ich sprechen kann

tränen kommen auch.
einfach und immer.
ich stehe auf und gehe raus
ich lebe ich arbeite ich lache
bin gern.

aber in mir zerfetzt
bruchstücke
schmerzender leib
ein feuer brennt alles nieder
jeden einzelnen nerv
bis alles versengt ist
keine gefühle kommen mehr an
nichts mehr weitergeben

nur
wenn es dieser schmerz ist
der ohnmächtig werden lässt

ich greife nach worten
und kann sie nicht finden
abgetrennt
abgespalten

und welche realität
gibt denn nun den halt
ist das was wortlos ist
real

Triggerwarnungen und Worte splashen – und wer schließt wann eigentlich wen aus und ein?

Warum noch ein Text zu Triggerwarnungen
Ich dachte erst: Sicherlich schon total durchgekaut das Thema. Dann habe ich recherchiert und nichts gefunden, dass mich überzeugt hat. Gleich vorweg: Ich bin kein Fan von Triggerwarnungen und erst Recht nicht von Splashen (Die Vokale bei bestimmten Worten durch Sternchen ersetzen). Aber die Texte gegen Triggerwarnungen waren so unterirdisch – in diese Linie möchte ich mich nicht stellen.
Aktuell wird das Thema in der ak aufgegriffen mit dem Text: „N-Wort, Sl*ts und Triggerwarnung – die neuen linken Sprachpraktiken schaffen vor allem eines: neue Ausschlüsse“. So ganz wird es mir nicht deutlich worum es in diesem Text eigentlich gehen soll. Sexismus wird mit Rassismus verwechselt und Ausschluss mit Diskriminierung gleichgesetzt. Es wird ein Geheimbund von Eingeweihten herbeifantasiert – woher auch immer. Ganz viel dreht sich um Ausschluss – dabei geht es doch gar nicht darum.
Triggerwarnungen oder splashen sind keine ausschließende Sprachpraxis. Ja, es ist ungewohnt wenn Vokale fehlen – aber die werden nicht zum Verständnis benötigt. Es mag irritieren. Irritation ist aber gut, weil sie zum nachdenken anregt. Die Normalität durchbricht. Ich liebe Irritationen. Auch wenn es manchmal keinen Spaß macht und nicht leicht ist. Muss es aber auch nicht sein. Warum ich es trotzdem nicht gut finde, steht weiter unten. Weiterlesen

„Self-harm WORKS.“ Eine blutige Sprache und ihr emanzipatorischer Gehalt

Weiter geht es in der Wahnsinnsreihe mit dem Thema Selbstverletzung.Gedichte und Prosa gibt es schon einiges zum Selbstverletzung von mir: Narbenkind, verkleidet, Nur ein Gedanke, Gewitterkind, Fassadenrisse, Schritt für Schritt.
Im folgenden Text will ich Selbstverletzung als Kommunikation lesen. (Ich beziehe mich meist aufs Schneiden, das Meiste gilt aber auch für viele andere Formen der Selbstverletzung.) Viele der Gedanken hat auch Clare Shaw (Ich empfehle besonders das erste Gedicht mit dem tollen Satz „I do not believe in silence.) bei einer Tagung toll in Worte gefasst, daher ist der Artikel sehr von ihr inspiriert. Außerdem lese ich gerade ein tolles Buch: A Bright Red Scream von Marilee Strong. Und dann stelle ich noch nebenbei die steile These eines emanzipatorischen Charakters von Schnitten in die eigene Haut auf. Widersprüchlichkeiten versprochen. Weiterlesen

Normkorsett und Wortekitt

Bloggen… Kolumnen schreiben… Poesie.
Wie Gedanken aus weiter Ferne.
Seitdem ich studiere schreibe ich kaum noch. Wie auch? Ich muss für die Uni ständig Texte schreiben. Schreiben und Lesen. Lesen und auskotzen. Puzzelteile von Theorien zerpflücken und neu wieder zusammensetzen.
Das Leben auskosten. Von durchzechten Nächten über zerbrochene Herzen, stundenlangem Tee und Wein trinken und über die Liebe und das Leben reden. Schlitten fahren obwohl die Bachelorarbeit wartet. Musik machen und Gefühle ertränken, rausschreien und sich verlieren.

So viele Worte, so viel Umschreibungen nur um mir die Frage zu beantworten, warum ich mich immer seltener vor ein leeres Blatt setze. Fehlt mir die Bestätigung, fehlen mir die Themen, bin ich einfach nicht mehr zerstört genug? Kann ich nur depressiv schreiben, bin ich wie ein kleines Kind das zwar lernen konnte, Schmerz zu fassen, jedoch nie die Sprache der Wut entdeckt hat?

Wenn ihr mich fragen würdet wie es mir geht… Es wäre nicht leicht darauf zu antworten. Ein pathetisches „Alles und nichts“ käme in Frage. Aber ja, ich bin wütend. Ich entdecke mich neu, neu in gesellschaftlichen Strukturen, die mich zu dem machen, was ich bin, was ich manchmal nicht sein will.

Langsam bekomme ich das Gefühl, wieder etwas zu sagen zu haben. Mich nicht zu verlieren im Chaos der Leere. Oder im leeren Chaos? Poetische Worte für einen Zustand, der nicht greifbar ist. Ein Leben in der Zwischenwelt. Nicht mehr am Boden zerschmettert, aber auch nicht heile. Dieses „heile“ wird es wohl auch nie geben. Aber ich finde mehr und mehr Scherben die zusammenpassen, klebe sie mühsam zusammen, kitte Risse und bilde neue Formen.
Manchmal sind die Scherben so scharf, dass ich mir wehtu. Und manchmal halte ich eins dieser Bruchstücke in der Hand und möchte auf die Welt losgehen. Auf alle Menschen die mir weh tun. Die anderen Menschen weh tun, in eine Welt zwängen, in ein Korsett aus Regeln und Normen, dass einem die Luft zum Atmen abschnürrt.

Vielleicht habe ich doch was zu erzählen. Über dieses Korsett, über abgeschnürrte Luft und wütende Ausbrüche, zerstörerische Rache und die Hoffnung auf die kleinen großen Revolutionen.
Vielleicht mögt ihr hier immer mal wieder vorbeischauen, in leichter Zuversicht, dass mir die Worte nicht so schnell wieder ausgehen.

Narbenmund


Ich suche nach Worten um der Sprachlosigkeit zu entfliehen.
Nach Worten, die stark genug sind.
Nach wütenden Worten.
Nach kleinen Worten.
Nach Worten die über das Leben erzählen.

Mein Alter? Meine Geschichte? Meine Wunden?
Ich kann dir Zahlen nennen. Daten. Einschnitte. Meinen Geburtsort, meine Schule, meinen Abschluss, meinen Wohnort. Ich kann dir mein Lieblingsessen nennen und meine Hobbys. Meine liebsten Bücher und Filme. Auch meinen Studiengang und Zukunftsschlussfolgerungen.

Ich kann dir sagen, was in dieser Welt falsch läuft. Ich kann stundenlang über Foucault reden, tagelang über politische Streitpunkte senieren. Ich kann die Welt anklagen, weil sie ungerecht ist.

Aber das ist nur ein Teil.
Wenn ich auf meine Welt schaue, sehe ich einen Scherbenhaufen.
Scherben, an denen ich mich verletze, wenn ich versuche sie zusammenzusetzen.
Ich stehe in den Seelentrümmern meines Lebens und kann sie nicht begreifen. Ich fühle Schmerz, doch ich finde keine Worte, die ihn fassen können.
Ich versuche zu sprechen. Mit Bildern, Wunden und Hilflosigkeit.

Ich spüre Hunger. Hunger, für den es keine Nahrung gibt. Ein Mensch am Verdursten in der Wüste der Sprachlosigkeit.
Kommunikation. Interaktion. Beziehungs- und Sachebene. Missverständnisse.
Missverständnisse setzen Verstehen voraus. Missverstehen. Aber verstehen.
Ich lebe in einer fremden Welt, deren Sprache ich nicht behersche.
Ich kann mich anpassen.
Funktionieren.
Interkulturelle Kommunikation.
Kommunikation ohne Verstehen.

Seelennarben ohne Übersetzung.

Repetitionswut

Mit der Zeit wird es taub in mir,
nichts ist mir mehr zuwider als
Wiederholungen,
stumpfes Imkreismarschieren

Jedes Wort, jeder Satz, jedes Gedicht –
immer aufs neue der Versuch im Kreis marschierend Maschinengeschichten zu erzählen

imkreismarschieren
Kreismaschine
Imkreismaschierendemaschine

voller Wut
maschinierte Wut

Imkreismaschierendemaschinenwiederholungswut