Schlagwort-Archiv: Puzzeln

sprachlospuzzel

ich greife nach den worten, kann sie nicht finden.
ich greife nach dem sinn, aber kann nicht verstehen.
versuche die brücke wieder zu finden zur welt.
ich bin nicht traurig.
ich bin ruhig.
so ruhig wie ein hardcore konzert.

ich habe angst.
ich suche nach sprache und kann sie nicht finden.
habe angst vor der wortlosigkeit.
angst das nur
nur scharfes messer auf haut
nur essen körper fressen hungern kotzen
wieder die einzige
sprache wird
in der ich sprechen kann

tränen kommen auch.
einfach und immer.
ich stehe auf und gehe raus
ich lebe ich arbeite ich lache
bin gern.

aber in mir zerfetzt
bruchstücke
schmerzender leib
ein feuer brennt alles nieder
jeden einzelnen nerv
bis alles versengt ist
keine gefühle kommen mehr an
nichts mehr weitergeben

nur
wenn es dieser schmerz ist
der ohnmächtig werden lässt

ich greife nach worten
und kann sie nicht finden
abgetrennt
abgespalten

und welche realität
gibt denn nun den halt
ist das was wortlos ist
real

Nachtwunden

Cilia liegt einfach da im Bett. Starrt aus dem Fenster. Drückt zum Siebten Mal den Alarm weg. Das Handy in der Hand, den Finger auf der Taste. Die meiste Zeit liegt sie nur da, starrt aus dem Fenster. Manchmal schreckt das Klingeln sie aus ihre Lethargie. Dann kriecht sie weiter unter die Decke, verschwinden zwischen ihren Kopfkissen. Manchmal zieht sie mit dem Arm das Kissen runter, aufs Ohr, aufs Gesicht. Und einem Impuls nachgebend drückt sie kräftiger zu, sodass die Luft knapp wird.
Passive Suizidalität.
Wortspielerei beim Aufwachen.
In der Leere verlieren, damit die Träume fort bleiben.
Cilia hat wieder schlecht geträumt. Kein Schreitraum, bei dem man aufwacht weil man zu sterben droht. Einer der zehrenden Art, keine Ausbruch, keine Ende, keine Katharsis. Nur das Gefühl von Angst und Ohnmacht.
Bruchstücke eine zerstörten Welt, die sie nun mühsam einsamen und wieder zusammen setzen muss. Die Puzzelteile haben ganz unterschiedliche Farben und Formen. So wie Gewalt eben verschiedene Wunden schlägt. Brüche, Schürfwunden, Schnittverletzungen.
Erfahrungen, die nicht ins Leben integrierbar sind, weil sie keinen Sinn ergeben, weil es Momente sind, in denen das Subjektsein, eine eigenständige, fühlende Person zu sein, in Frage gestellt wird.
Cilia starrt wieder nach draußen, verliert sich mit ihrem Blick in der Leere. Sie fühlt den Schmerz nicht mehr. Es ist nicht ihr Schmerz.

Normkorsett und Wortekitt

Bloggen… Kolumnen schreiben… Poesie.
Wie Gedanken aus weiter Ferne.
Seitdem ich studiere schreibe ich kaum noch. Wie auch? Ich muss für die Uni ständig Texte schreiben. Schreiben und Lesen. Lesen und auskotzen. Puzzelteile von Theorien zerpflücken und neu wieder zusammensetzen.
Das Leben auskosten. Von durchzechten Nächten über zerbrochene Herzen, stundenlangem Tee und Wein trinken und über die Liebe und das Leben reden. Schlitten fahren obwohl die Bachelorarbeit wartet. Musik machen und Gefühle ertränken, rausschreien und sich verlieren.

So viele Worte, so viel Umschreibungen nur um mir die Frage zu beantworten, warum ich mich immer seltener vor ein leeres Blatt setze. Fehlt mir die Bestätigung, fehlen mir die Themen, bin ich einfach nicht mehr zerstört genug? Kann ich nur depressiv schreiben, bin ich wie ein kleines Kind das zwar lernen konnte, Schmerz zu fassen, jedoch nie die Sprache der Wut entdeckt hat?

Wenn ihr mich fragen würdet wie es mir geht… Es wäre nicht leicht darauf zu antworten. Ein pathetisches „Alles und nichts“ käme in Frage. Aber ja, ich bin wütend. Ich entdecke mich neu, neu in gesellschaftlichen Strukturen, die mich zu dem machen, was ich bin, was ich manchmal nicht sein will.

Langsam bekomme ich das Gefühl, wieder etwas zu sagen zu haben. Mich nicht zu verlieren im Chaos der Leere. Oder im leeren Chaos? Poetische Worte für einen Zustand, der nicht greifbar ist. Ein Leben in der Zwischenwelt. Nicht mehr am Boden zerschmettert, aber auch nicht heile. Dieses „heile“ wird es wohl auch nie geben. Aber ich finde mehr und mehr Scherben die zusammenpassen, klebe sie mühsam zusammen, kitte Risse und bilde neue Formen.
Manchmal sind die Scherben so scharf, dass ich mir wehtu. Und manchmal halte ich eins dieser Bruchstücke in der Hand und möchte auf die Welt losgehen. Auf alle Menschen die mir weh tun. Die anderen Menschen weh tun, in eine Welt zwängen, in ein Korsett aus Regeln und Normen, dass einem die Luft zum Atmen abschnürrt.

Vielleicht habe ich doch was zu erzählen. Über dieses Korsett, über abgeschnürrte Luft und wütende Ausbrüche, zerstörerische Rache und die Hoffnung auf die kleinen großen Revolutionen.
Vielleicht mögt ihr hier immer mal wieder vorbeischauen, in leichter Zuversicht, dass mir die Worte nicht so schnell wieder ausgehen.

Angespannt

Um meine Kehle liegt ein Seil
Auf meiner Brust lagern Steine
Messerstiche in Kopf,Rücken, Bauch
es schmerzt

Da ist der Schmerz in mir
Der Schmerz ohne Worte
Ich leg mich hin
schlafe lache esse
und bleibe müde

Ich würde gerne gehen
flüchten vor dem Dauerstress
Die Menschen nicht mehr sehen
Die sich schlecht fühlen,
weil sie nicht so viel geschafft haben

während ich mich zum Einkaufen quälen muss
weil ich bei jedem Geräusch zusammenzucke
während ich mich zur Hausarbeit zwinge
weil ich mir sonst was antun könnte
während ich mich heulend in den Schlaf wiege
weil ich versuche am Leben zu bleiben

ene mene muh
und raus bist du

Willkommen auf der Überholspur
Weggejagt und immer auf der Flucht

oder

auf der Suche
Nach einem Ort, wo ich
Steine, Seil und Messerstiche

endlich ablegen kann