Nix mehr mit Maßen

Neulich saß ich wieder mit Freundinnen zusammen und das Thema Schokolade und Diäten kam auf. Ich habe sofort versucht zu intervenieren. Keine Diätgespräche in meiner Gegenwart. Dieses ganze Ding mit „aber ich mache das doch für mich damit ich mich wohler fühle“ stößt mir auf. Ich habe das doch nicht gemacht damit ich mit wohler fühle. Sondern damit andere mich anders behandeln und ich mich dann durch diese andere Behandlung wohler fühle. Wobei das auch einfach ist, das zu internalisieren und als eigenen Wunsch zu definieren. Fühlt sich weniger nach diskriminierenden Strukturen an dann. Ändert aber nichts am gesellschaftlichen Zwang.

Diäten-Mathematik
Ein einschneidener, wütendmachender Moment war ein Mensaessen neulich. Und zack war genau im meinem Kopf wie viel Weight Watchers Punkte dieses verdammte Essen hat. Und dass ich ja nur knapp über 20 Punkte am Tag habe und wenn das dann schon 10 sind dann noch mal und dann… darf ich ja nichts mehr essen. Ich halte mich nicht daran. Aber ich habe das glaub ich ein halbes Jahr lang gemacht. Mit 16. Und immer noch ist dieses rechnen in meinem Kopf. Dieses Gefühl, nur Punkte zu essen. Und dass das so viele Jahre später immer noch in meinem Kopf ist. Weil ich mit 13 mal fünf Kilo „zu viel“ gewogen habe und der Arzt meiner Mutter aufrede, dass ich da nun wirklich aufpassen müsse. Da fing das an. Sanktionen und Verbote. Meist von mir selbst. Belohnen und Strafen. Weniger sein? Dann gibt es ein Buch. Mehr werden? Dann musst du zahlen. Einfach Mathematik. Weniger gleich Gewinn. Weight Watchers wäre ja sehr effektiv. Ebenfalls einfache Mathematik. Ich tausche eine halbe Stunde Inlinerfahren gegen eine Handvoll Süßigkeiten. Oder dann besser die Süßigkeiten gegen einen Teller Kartoffeln mit einer halben Scheibe Käse. + und – und dann am nächsten Tag weniger wenn du etwas Pizza hattest. Und dann hatte ich so eine Grafik wo ich einmal in der Woche Hüfte und Taile messen konnte
Meistens denke ich nicht mehr dran. Aber bei den ganz bösen, den fettigen Lebensmitteln, da kommt dann WUMMS so eine Zahl in meinen Kopf. Eine Scheibe Brot + Aufschnitt + Butter = Im Zweifel ein Viertel der Tagesration.
Es reicht wohl an Vorrechnen. Ich mag Mathe. Mathe macht alles so berechenbar. Irgendwie einfach. Deswegen nahm ich damals auch ab. Ich konnte mir mein Essen ja durch Sport verdienen. Belohnen und Strafen funktionierte als gute Konditionierung. Glücklicher wurde ich nicht. Ein wenig, durch die Anerkennung und Bewunderung die ich dafür bekam, dass ich weniger wurde. Welch Ironie. In der ganzen Schulzeit wurde ich immer versucht zu wenig zu machen und habe mich mit Händen und Füßen gewehrt mich klein machen zu lassen. Aber weniger werden wollen. Das klappte.
Was mich heute ganz schön wütend macht.

„Kümmer dich doch nicht darum, was die anderen sagen.“
Ich Habe mit_gegen dem_das Essen gekämpft, habe das in Therapien angesprochen. Ich wurde selten bis gar nicht ernst genommen. Musste mal ein Esstagebuch führen das völlig sinnlos war. Und wenn ich sagte: Ich will abnehmen, ich hasse meinen Körper – dann kam der Tipp: Machen Sie doch einfach Sport. Essen Sie weniger. Nehmen sie ab. Oder „Nehmen Sie sich doch einfach so an wie sie sind.“ Das klingt ja erstmal nicht soo verkehrt. Ist es aber. Weil es individaulisierend ist, kontextlos. Nimm du dich an. Du bist verantwortlich! Es geht nicht darum keine Verantwortung für sich, das eigene Leben und den Körper zu übernehmen. Aber diese Verantwortung beinhaltet auch sich in einem Kontext zu sehen und wie mit Körpern umgegangen wird hat einfach verdammt viel mit Normierungen und Sanktionen zu tun. Es ist einfach nah dran an: Kümmer dich doch nicht drum was die anderen sagen! Warum lässt du dich denn immer so beinflussen einself!
Nicht alle Körper sind gleich und sie werden auch nicht gleich behandelt. Es gibt so Lippenbekenntnisse wie „Alle Körper sind schön.“ Ja, schön das zu sagen. Schöner wäre es, wenn dass dann auch wirklich so gemeint wäre. Denn es schwang auch mit: Es schadet auch nicht abzunehmen. Das würde nie so einfach gehandhabt werden bei: Es schadet auch nicht zuzunehmen. Das wird nur bei bestimmten Körperformen gesagt. Ich sag nicht, dass vieles nicht leichter wäre in einem anderen Körper. Weniger Sprüche, weniger Bewegungsschwierigkeiten im öffentlichen und privaten Raum. Aber das sind alles Reaktionen die von außen kommen. Dafür bin weder ich noch mein Körper verantwortlicht. Dafür ist eine patriarchale Gesellschaft verantwortlich.

fuck yeah, fat dyke
Seit über einem Jahr beschäftige ich mich nun mit diesen Thematiken. Auslöser war wohl dieser Text. Der Gedanke, unkommentiert essen zu dürfen und nicht ständig beim Essen auf Körperformen zurückgeworfen zu werden. Und dass das nicht meine Verantwortung ist. Schritt für Schritt habe ich mich an dieses für mich sehr schwere Thema rangetastet. Es spukte immer mehr in meinem Kopf rum, diese Idee, dass mein Körper wirklich okay ist wie er ist, ja sogar schick. Und dann im Dezember. Mit dem Artikel Von Gewicht und meinem Folgenden. Da machte was Klick in meinem Kopf. Dass ich das nicht mehr will. Nicht diese Zweifel. Nicht diesen Selbsthass auf eine Form. Und ich fing an, an mir zu arbeiten. Ich beschäftige ich mich seit ein paar Monate intensiver mit fat positiv movement. Ich gucke mir viele Bilder an, Alltagsbilder bis hin zu erotischen Fotografien, lese Texte, lausche Menschen die dazu erzählen. Ich fange an, meinen Blick zu verändern. Mein Blick auf andere, meinen Blick auf mich selbst. Ich sehe Schönheit wo ich früher nur Selbsthass gefühlt habe. Ich trage Kleidung nicht mehr unter dem Gesichtspunkt, ob sie möglichst gut „kaschiert“. Nicht immer wenn mein Tshirt hochrutscht habe ich Angst, eine_r könnte meinen Bauch sehen. Ich fühle mich gesünder, habe weniger Angst mich zu bewegen, habe mehr Spaß bei der Kleidungsauswahl, weiß Menschen an die ich mich zum ragen wenden kann und werde sauer, wenn meine Therapeutin mich nach meinem Gewicht fragt. Ich habe Selbstsicherheit gewonnen. Ja, ich habe in diesem Dezember eine Entscheidung getroffen. Eine Entscheidung, nie wieder eine Diät machen zu wollen und mich stattdessen auf meine Körperwahrnehmung zu konzentrieren, weil das doch viel wichtiger ist. Bei Scheißkommentaren bin ich zwar immer noch verletzt, suche die Schuld dafür aber immer öfter nicht bei mir. Es ist jetzt Mai. Jede Diät hat mich mehr Zeit und Nerven gekostet und meine Gesundheit immer mehr ruiniert. Jede so-called-Ernährungsumstellung, die letztendlich auch nur darauf basiert, das eine zu dürfen, dass andere aber „ja, aber bitte nur in Maßen“.

Und deswegen werden alle Gespräche von mir künftigt unterbrochen, auch wenn es „ich will diese Diät/Ernährungsumstellung/Bauch-Beine-Po – Geschichten ja nur für mich damit ich mich wohler fühle“ unterbinden. Das steht nicht im leeren Raum sondern ist Teil einer Körperpolitik. Und ich will keine Rücksicht nehmen. Ich will den Raum. Ich will auch nicht weniger Eis essen. Und ich will nicht um mir ein Eis erlauben zu dürfen erst eine Runde laufen gehen. Ich will alles. Und fuck yeah, es macht Spaß eure verdutzten Gesichter zu sehen wenn ich kompromisslos in den xten normalisierten Diätentalk reinpresche. Ich will nicht genügsam sein. Ich will nicht nur die Hälfte (sein).

Danke für alle, die diesen Weg möglich gemacht haben und machen. <3

18 Gedanken zu „Nix mehr mit Maßen

  1. distelfliege

    Suuuper Text! Ich werde mir noch die anderen Texte durchlesen, die du verlinkt hast.
    Ich freue mich immer wenn die Menschen, die solchen Körperdikaten extrem stark ausgesetzt sind, sich offensiv weigern, ihr Leben davon versauen zu lassen.

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  2. Katrin

    http://www.reactiongifs.com/wp-content/uploads/2012/11/standing-ovation.gif

    Ich könnte so viel dazu sagen und weiß nicht wo ich anfangen soll. Am aller meisten hat mich die Sache mit den Punkten angesprochen. Ich habe Weight Watchers mit 15 gemacht, für ein gutes Jahr. Das ist verdammte 8 Jahre her, und trotzdem, immer mal wieder, in Momenten in denen ich nicht damit rechne, spukt mir auf einmal etwas im Kopf rum wie: „Ey der Keks hat 2,5P und du hast schon vier Stück gegessen!“
    Und das obwohl ich meine letze Diät mit 17 gemacht habe!

    Sehr schön ist auch der Ansatz, dass man etwas gewinnt, wenn man etwas verliert. Wie sehr das in unser aller Köpfen drin ist, Gewichtsverlust wird zu 99% als etwas positives gesehen, das man begrüßt, dem man Komplimente macht, wir nehmen das einfach so hin, wir hinter fragen nicht mal mehr, ob das sinnvoll oder normal ist, wir sind so davon überzeugt, dass Gewicht zu verlieren eine der obersten Prioritäten im Leben ist, dass ist fast wie Gehirnwäsche.

    Und ja du hast so Recht, ich habe es schon lange satt nicht genügend Platz zu haben, das Gefühl haben in eine Form gepresst zu werden in die ich einfach nicht rein passe! Fuck yeah, wie gut das wir lernen können darauf zu scheißen und merken, dass uns nicht nur die Krümel sondern der ganze Kuchen zu steht!

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    1. Steinmädchen Artikelautorin

      ja das mit dem rechnen das ist so krass! ständig, ich habe das mal beobachtet, oft mehrmals die woche kommt das in den kopf. das ist echt krass, wie lange sich das festsetzt…

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  3. Skye

    Tausendmal Ja! Mir geht es genauso, wie du es beschreibst. Es ist schwer, und ich musste erst letzte Woche erleben, dass nur wenige Menschen bereit sind, meine Entscheidung, mich der Körpernormierung und den Diäten zu entziehen, unterstützen oder wenigstens akzeptieren. Immer wieder dieses In-Frage-Stellen, dieser Hass auf Frauen*, denen die Bewertung von aussen (fast) scheissegal ist. Ich bin auf dem selben Weg wie du, und danke dir für diesen Text!

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  4. cleah

    danke für diesen text! sehr empowernd und – hach ich weiß gar nicht so genau was ich sagen soll – danke!

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  5. Suedelbien

    Spricht mir aus der Seele! Ich bin mein Leben lang mit Diätplänen im Kopf herum gelaufen, seit ich 14 bin oder so. Unzählige Diäten habe ich schon hinter mir, auch Weight Watchers. Bis ich mir nun endlich, mit halben huntert, diesen Stress nicht mehr antue, zumal es mit fortgeschrittenem Alter ohnehin immer schwerer wird, am Gewicht was zu verändern.
    Es ist aber nach wie vor schwer, sich gegen diese Be- und Abwertungen von außen zu verwahren. Man wird mit viel Gewicht sogar von Fachleuten psychologisert. So bescheinigte mir erst kürzlich eine Psychotherapeutin, von der ich mir Hilfe beim Verarbeiten meiner Schicksalsschläge wie Jobverlust und Ehescheidung erhoffte, ernsthaft, ich würde mich weigern, mich selbst zu spüren, weil ich meine Gefühle wegessen müsse. Und mein Gewicht passe doch gar nicht zu meinem Wesen, ich sei doch eine empfindsame sensible Frau (als wenn das eine das andere ausschließt). Wohl gemerkt, diese Therapeutin hat mich an dem Tag das erste Mal gesehen, kannte mich überhaupt nicht, aber wusste in diesem Punkt schon gleich Bescheid über mich.
    In einer anderen Therapie wurde ich gottseidank nicht so sehr auf mein Gewicht reduziert, aber im Abschlussbericht stand als Diagnose u.a. „adipös“. Was will mir das sagen? Ich bin krank, ich bin defizitär, weil ich viel bin. Dass das nicht stimmt, weiß ich ganz tief in mir drin. Deshalb sage ich auch: Fuck yeah! Ich stehe vor Chören, mache Stimmbildung, und niemand macht sich darüber lustig, dass mein Bauch bei den Atemübungen hoch und ‚runterhüpft 🙂

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    1. Steinmädchen Artikelautorin

      spannend daran finde ich dann, dass dann die körperform zum psychologischen problem wird. ich für mich habe nicht so ein cooles verhältnis zum essen, was ich als problem sehen würde manchmal. aber die form ist ja dann so mal ganz gar nicht das thema um das es geht. daher ist „adipös“ ja auch mal voll daneben. „Ich bin krank, ich bin defizitär, weil ich viel bin.“ finde ich einen schönen satz.
      yeah für die coolen dachen die du machst 🙂

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  6. Max

    Ich stimme vielen Punkt in dem Text zu, allerdings hört es sich teilweise auch sehr nach “ Du MUSST glücklich sein in deinem Körper mit deinem Gewicht“ . Aber es gibt Menschen die es nicht sind und dass obwohl sie im Prinzip diesem „gesellschaftlichem ideal“ (oder wie auch immer es genannt werden kann) entsprechen oder sogar darüber hinaus sind.
    Mir ist durchaus bewusst, das dies wenig Personen sind und dass es extrem schwer ist diese zu erkennen, aber ich fühle mich verarscht wenn mir mehr oder weniger verboten wird mich in meinem Körper, auf Grund meines Gewichts, unwohl zu fühlen.

    Grüße Max

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    1. Steinmädchen Artikelautorin

      Oh, niemand verbietet dir in dieser Gesellschaft unzufrieden mit deinem Gewicht zu sein. Im Gegenteil, dass ist die Norm. Und ja, body policy greift auch für viele Personen, die der Norm entsprechen. Körperpolitik ist überall und macht, dass viele sich unwohl fühlen.
      Aber was schon stimmt ist dass du es bei einem Normgewicht(besser Normform) bitte nicht äußern sollst, sondern schön weiter perfektionieren, ganz selbstverständlich. Personen aller Körperformen können sich unwohl fühlen, es gibt viele Gründe den eigenen Körper nicht zu mögen (da würde ich einfach unterscheiden zwischen körpermögen und der körperform, für mich sind das verschiedene Baustellen), es geht mir hier aber darum zu sagen, dass ich eine Form anerkannt haben möchte, da dicke_fette Menschen eben zusätzlich fat shaming ausgesetzt sind und das einfach eine krasse Beeinträchtigung des Lebens darstellt. Und daher finde ich es empowernd zu sagen, ich eigne mir den Raum an.

      Wenn es für dich okay ist, du musst nicht glücklich sein. Ich antworte dir hier weil ich den Gedanken kenne, dieses Gefühld dass fat positiv mir abverlangt so zu tun als wäre ich glücklich wenn das doch für mich gar nicht stimmt. Aber es geht (für mich) gar nicht um Glücklichsein.
      Sondern darum als Frau* Raum einzunehmen, und dies auf diesem Wege (auch) tun zu können. Wer gerne eine glückliche dicke_fette Person ist kann das gerne sein, ich bin einfach kein glücklicher Mensch. Ich würde mich eher als wütend beschreiben. Und als vieles anderes, aber glücklich klingt für mich auch sehr nach Wellnessdiktat.

      Ich habe mich auch schonmal über die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit ge-störtem Essen auseinandergesetzt und über die Schwierigkeiten mit dem eigenen Körper geschrieben. Vielleicht fasst das ein bisschen besser in Worte, dass es nicht so einfach ist – aber gleichzeitig wie wichtig dieses Recht auf das Wohlfühlen auch für mich ist, die sich nicht so wohl im Körper fühlt – und dann brauche ich nicht noch fat shaming, dass mir diese Form mies macht.

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  7. Horsti

    Danke für diesen Text. Er machte mich wütend und traurig und hoffnungsvoll und dass mein Text darin eine Rolle spielt, macht mir rote, frohe Wangen. Hell yes, no more Diets! (Und ich erinnere mich, wovon ich noch nicht schrieb, dass ich in der Grundschule anhand eines Beispielspeiseplans des Schullandheims vor der Klassenfahrt rausstrich, was ich mir an Essen nicht gönnen könne. Woran ich scheiterte, weil ich eigentlich gerne esse. Dann die Verknüpfung von Essenkönnen und der Scham, wenn nicht klappte, wenig zu essen. Und sowieso, immer wieder, auch ohne Diäten: der Scham, dass es mich gibt. Hmpf, ey.)

    Mich interessiert sehr, was du für Strategien hast, um bei Diätgesprächen zu intervenieren. Oft sitze ich nur still dabei und seufze, weil ich sie nicht gut finde, aber Verständnis dafür habe, wie fucked up die Sitution ist, in der Menschen weniger werden wollen, und respektiere, dass auch Entscheidungen, nicht gut mit sich umzugehen, Entscheidungen sind, die niemandem zustehen außer einer selbst. Hast du Sätze, die ablenken, die gelingen? Wie lässt sich vermeiden, dass eine Kritik am System dazu benutzt wird, das „ich fühl mich aber ECHT nicht wohl mit meiner Form/meinem Gewicht“ noch mehr ausgebreitet wird, Menschen mit ihren Diätvorhaben in Verteidigungshaltung das Gespräch dominieren?

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    1. Steinmädchen Artikelautorin

      hey, schön dass du hier schreibst. 🙂

      Hm, ich teile deine Eintstellung, dass Menschen das Recht haben, mit sich eben auch „nicht gut“ umzugehen. Dass das immer Gründe hat. Ich glaube ich gehe auch ganz oft nicht gut mit mir um. Und in einem zweiter Gespräch mit einer Freund_in würde ich damit auch anders umgehen, und darüber sprechen, warum sie das braucht.
      Genrell glaub ich versuche ich das einfach klar zustellen, dass diese Position zwar für eine selbst gerade aktuell sein kann, aber Gespräche darüber eben strukturelle Macht reproduzieren, weitertragen. Und dass es eben für diese Gespräche sehr sehr viel Raum gibt. Manchmal beziehe ich dass dann konkret auf mich, was mich nur sehr semi zufrieden stimmt, in dem ich dann sage: Stop! Nicht das kleinste Diätgespräch in meiner Gegenwart!
      Jenach dem wie die Zeit und die Leute sind sage ich dann gerne auch mehr, weise darauf hin dass das für sie zwar so sein mag, das aber nicht ohne Kontext ist und daher nicht cool das ständig zu tun.
      Ich weiß nicht ob dir das jetzt hilft, aber so ein bisschen meine Gedanken dazu.

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  9. Kirsten

    Oh ja. Weight Watchers müsste mit einer Warnmeldung starten, dass man diese Zählerei nie mehr aus dem Kopf bekommt. Habe das so oft gesehen im Bekanntenkreis und deshalb zum Glück entscheiden können, das NICHT zu machen. Freude am Essen ade…

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  10. Anne

    Ich finde es problematisch, Themen aus Gesprächen „zwangsweise“ auszuschließen. Jeder Mensch hat seine wunden Punkte. Wenn ich am Tisch mit vier Menschen sitze und eine will nichts über Diäten/Ernährung/Abnehmen hören, der Zweite ist arbeitslos und will nichts über berufliche Erfolge der Anderen hören. Die Dritte wurde verlassen – man möge sie also von Erzählungen von der eigenen funktionierenden Beziehung verschonen. Und der/die Vierte hat sicher auch was, worüber er/sie nichts hören mag. Worüber sprechen wir noch? Klar, es gibt noch mehr Themen als die angesprochenen. Dennoch: Wenn ich einen befreundeten/gut bekannten Menschen nach viell. längerer Zeit treffe und er/sie fragt, was es Neues gibt, würde ich viell. schon gerne von meiner Ernährungsumstellung erzählen…

    Das ist nur ein Einwand zu dem „nichts davon hören wollen“. Ansonsten finde ich Deine Überlegungen allesamt nachvollziehbar und richtig.

    Grüße
    Anne

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    1. Steinmädchen Artikelautorin

      Das Problem an deinem Ansatz ist, dass die Vergleiche nicht ziehen. Weil in deiner Formulierung klingen die nach „Neid“ auf das was die anderen haben, dass du da das Problem drin siehst.
      Aber Diätgespräche sind normativ und gerade gegeüber fetten Menschen entsteht dann eine Erwartungshaltung. Diese hätten es ja nötig. Es hat ja nichts mit verschonen zu tun im Sinne davon dass andere nicht erzählen können, was ihnen gut tut – auch wenn deine Beispiele alle sehr normativ belegt sind, Arbeit, Beziehung etc – sondern es geht darum, in body policy zu intervenieren und Diätgespräche stellen meist genau das dar.
      Liebe Grüße,
      das Steinmädchen

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  11. Heng

    Mir geht es da sehr ähnlich. Mit 14 habe ich Weight Watchers gemacht, weil ich mich – verstärkt durch das Kommentieren meiner Figur aus meinem Umfeld – extrem unwohl gefühlt habe. In der Zeit konnte ich an nichts Anderes als an diese verdammten Punkte denken. Mitten im Unterricht: WIe viele Punkte hab ich noch? Was hab ich schon gegessen? Gehe ich heute Abend noch laufen?
    Selbst Jahre später fallen mir diese Punktesachen ein. Oder Kalorienzählen. Oder blöde Kommentare hallen in meinem Kopf. Ich habe so unendlich viele Dinge ausprobiert, um endlich in eine 36 reinzupassen, ohne dass es gequetscht aussieht, ich glaube, für zwei, drei Monate hatte ich diesen Zustand sogar erreicht, ich hab ihn aber sehr schnell wieder verloren, habe mir dafür Vorwürfe gemacht, mich bestraft.

    Mittlerweile ist es mir (so gut wie, muss ich sagen) egal, was andere über meine Figur denken, ich finde mich schön, wie ich bin. Meine Samtshorts lassen meinen Hintern größer aussehen? Schön, wenn es dich stört, musst du ja nicht hingucken. Gemusterte, weite Blusen tragen auf? Who cares?
    Ich finde es wichtig, dass solche Erfahrungen im Netzt geteilt werden, es ist empowernd zu wissen, dass ich damit nicht alleine bin. Danke. Und schöner Blog.

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  12. Esther

    Das ist ein bemerkenswerter Text, den Du geschrieben hast und wirklich interessante Kommentare (ich lese Kommentare sonst nur ungern).
    Ich bin schon seit sehr langer Zeit eine Gegnerin des fat shaming, und seit bestimmt 10 Jahren auch von Diäten.
    Mich nerven Gespräche über Diäten auch immens. Wenn ich diese Standartfloskeln höre: man muss nur weniger essen als man verbraucht! dann bekomme ich schon immer einen Hals. Aber ich weiß nie, wie ich sowas unterbinden kann, ohne dass gleich eine Grundsatzdiskussion losgetreten wird, in der noch mehr hohle Phrasen gedroschen werden. Denn ich erlebe Diskussionen über Gewicht und Gesundheit meist als äußerst bigott geführte Glaubenskämpfe, wo nie ein konstruktives Ende in Sicht ist. Daher hilft das Internet hier. Denn in meinem Umfeld finde ich kaum Leute: die meinen Standpunkt akzeptieren können.
    Danke Euch allen!

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