Faktencheck? Arschlochtag mit Kachelmann

Gestern war ein Arschlochtag. Gestern ging es nach Frankfurt, um den aktuellen Kachelmann Prozess kritisch zu begleitet. Ich bin dem Aufruf der Intiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt : „Die ,Opferindustrie’ bittet zum Faktencheck“. Ich habe mich auf vieles eingestellt. Aber wohl nicht auf diesen Presserummel. Wir waren etwa Frauen* die schon vor dem Gebäude protestierten. „1xFaktencheck“ bitte. Ich kannte die Initiative bisher nur aus dem Internet und wollte eigentlich vor allem beobachten. Daraus wurde nichts. Die Presse stürzte sich wie eine Meute auf uns. Und es war ja nicht so, dass ich dachte nichts zu sagen zu haben. Im Gegenteil.
Die Fragen lauten immer gleich. Warum wir da wären. Was wir zum Prozess denken würden. Immer wieder haben wir kritisiert, dass Kachelmann eine so große Plattform bekommt um Vergewaltigungsmythen zu verbreiten. Immer wieder haben wir Fakten wiederholt: Nein, es gibt keine Opferindustrie, Nein, es gibt keine massenhaften Falschbeschuldigungen, Ja, es gibt wirklich nicht mehr als 3 Prozent Falschanzeigen, Ja, der größte Teil wird wirklich nicht angezeigt.
Ich war völlig überfordert und habe einfach immer geantwortet, hatte keinen Überblick mehr darüber wann ich welchem Sender was gesagt hatte. Und ich hatte nichteinmal drüber nachgedacht, ob ich das will. Was ist wenn Menschen mich im Fernsehen sehen? Im Radio hören? Meinen Namen lesen? Habe ich alles nicht bedacht. Es ist okay wohl. Ich hatte wichtiges zu sagen. Aber mir bereitet es Unbehagen, dass Menschen, die ich verabscheue von früher, diese Informationen bekommen. Aber ich klammer mich an den Inhalt.
Der Prozess selbst fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Abgesehen davon, dass ich wirklich finde, dass intime Details nicht in die Zeitung oder ins Fernsehen gehören, war ich auch froh, diesen Raum wieder verlassen zu können. In einem Raum mit so einem Arschloch, der dann mit Grinse-Anwältin für die Presse posed – Kotz!
Ein Kotz-Bedürfnis hatte ich sehr oft. Bei den Fragen, ungläubigen Blicken. Aber ich bin froh, ein paar coole Frauen von der Initiative kennengelernt zu haben. Irgendwann war es einfach alles zu viel. Wir wollten in ein Café – unpraktischerweise wählten wir das direkt am Gericht, wo immer wieder nochmal Presse kam. Außerdem ein zweiter Sicherheitscheck, der meine Spannung einfach nochmal weiter hochtrieb. Ich musste meine Skills auspacken (kleine Glasflasche z.B.). Das fand ich ganz schön intim.
Aber es addierte sich einfach zu dieser absurden Situation, zu diesem Arschloch, zu den ganzen Mythen, die doch so Fakten fern sind und trotzdem diese Tausendfachen Wiederholungen brauchten. Die anstrengend waren. Ich hasse Presse. Ich hasse diese Meute, diese draufstürzen, dieses Sensationshungrige. Zum Glück waren nicht alle so.
Und dann saßen wir in dem Café und ich starte einfach das beruhigende Bild meines Tees an. Wir unterhielten uns und so ging es ein bisschen runter zu kommen. Wir konnten uns rückmelden, wie stark wir es fanden, dass sich welche von uns der Presse stellten. Da ging es mir eigentlich ganz gut.
Am Ende haben wir dann aber noch versucht einem Anwalt zu erklären was rape culture ist. Der sagte, dass er als Mann das ja nicht so für sich annehmen könnte. Facepalm. Er hatte wirklich „einfach nur“ keine Ahnung, aber ich wollte so gerne zutreten. Nicht nochmal wiederholen. Alles schon gesagt.
Trotzdem bin ich froh, dass ich da war. Ich weiß nicht, ob ich das wieder kann. Aber ich habe coole Frauen kennengelernt, und das finde ich immer gut. 🙂 Und am Abend konnte ich mich mit Freund_innen betrinken und Blasen an die Hände musizieren. Ein

ZDF
→ Joar. Geht so.

Die Welt
→ Geht wenigstens auf die Proteste ein

rp
→ Die Initiative ist im Titelbild, aber inhaltlich wird nicht auf den Faktencheck eingegangen

Stern
→ Es wird sich auf der ersten Seite zum Faktencheck auf die Quellen von Kachelmann bezogen. Da möchte ich nur sagen: Merkter selbst, wa?
So richtig zum kotzen: „Er [Siegfried Willutzki, ehemaliger Familienrichter]schrieb in einem Aufsatz, in 40 Prozent aller Sorgerechtsstreitigkeiten würde der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs erhoben, 95 Prozent der Anschuldigungen würden sich jedoch als falsch erweisen.“

swr
→ Der Text ist schlecht, vermutlich einfach dpa Meldung, aber hey, da wird gesagt: „knappes Dutzend Feministinnen“ – Yeah! 🙂
„Wo Recht zu Unrecht wird wird Widerstand zu Pflicht.“ Wird allerdings auch gesagt. Pro Kachelmann. Autsch.

TDF
→ Bericht von Terre de femmes

abendblatt

→ “Kachelmanns Klage ist juristische Hochseilartistik, und man kann vermuten, dass es ihm ganz recht ist, wenn nicht allzu viele Leute zuschauen, für den Fall, dass er dabei runterfällt. Denn anders als im Strafverfahren muss nun er beweisen, dass Claudia D. gelogen hat, dass sie ihn falsch beschuldigt hat, dass er unschuldig ist. Das dürfte wohl der wahre Zweck dieser Klage sein: Die gerichtliche Feststellung seiner Unschuld.”

mdr
→ Die Initiative ist das Startbild des Video, nicht Kachelmann, Bericht mit einem Kriminologen, der sagt, die Falschbeschuldigungsquote sei nur 1%

hr
→ Die Kritik an Kachelmann bekommt viel Raum, außerdem wird gesagt „Die Gutachten, die Kachelmann erstellt hat“ – in den restlichen Medien heißt es meistens: „Erstellen musste“. Neben der Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt gibt es auch die Perspektive eines Opferschutzverbandes – der sagt, dass auf 100 Fälle vielleicht eine Falschbeschuldigung kommt.

8 Gedanken zu „Faktencheck? Arschlochtag mit Kachelmann

  1. Anonymous

    Wie so oft: Das Anonyme ist unartig schrägdumm.

    Was den Selbstinszenierer Kachelmann angeht, bin ich nur schwer und nur unter größten Anstrengungen in der Lage etwas zu ihm zu schreiben, was nicht mit dem SGB in Konflikt kommt. So ein Macker kommt schon fast qua Definition nicht auf die Idee, dass er etwas Relevantes falsch gemacht haben könnte. Er verpasst zu allen Überfluss am Ende der Frau, der er übel mitgespielt hat, wenngleich nicht im strafrechtlichen Sinn, auch noch einen Zivilprozess. Das macht er, einmal, weil er sich diesen juristisch sinnlosen Wege einen Freispruch nachträglich erzwingen möchte, zum anderen aber wohl auch, um die Frau – auch dank seiner überlegenen materiellen Ressourcen – unter Druck zu stezen.

    Seine völlig überzogene Positionierung (und schlimmer noch: eine Anklägerposition gegenüber allen Opfern sexueller Gewalt, von wegen “Opferindustrie”, was für ein unsägliches Wort), seine in fast allen Bereichen ständig völlig überzogenen Wertungen zeigen sich nicht zuletzt in dem Umstand, dass es ihm nicht einmal genügt, dass er aus dem Strafprozess weitgehend rehabilitiert heraus gefunden hat.

    Es zeigt sich ein immenses Rachebedürfnis auf Seiten von Kachelmann – und allein das lässt nachträglich einige Schlüsse auf seine Persönlichkeitsstruktur, aber auch auf die Dinge zu, welche im Strafprozess nicht geklärt werden konnten. Meine Theorie lautet nunmehr: Kachelmann genießt es ungemein, wenn er auf seine Opfer bzw., äh, Sozialpartner Druck und Macht ausüben kann. Sein Bedürfnis, andere Menschen fair zu behandeln, kann wohl im Vergleich dazu als “kaum sonderlich ausgeprägt” (oder ggf. sogar noch schlechter) genannt werden.

    Die gute Nachricht lautet: Jetzt hat sich Kachelmann in sehr weiten Kreisen unmöglich gemacht. Dieser in seiner ganzen Art übergriffige Narziss wird von redlichen Menschen kaum mehr ernst genommen werden.

    Das war es dann, Kachelmann!

    Gerfried Gerhardkowski

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    1. Anonymous

      hier wird offensichtlich nur zugelassen, was gegen herrn kachelmann vorgebracht wird bzw. die eigene meinung bestätigt. schwerpunkt auf jeden fall: gegen, aus prinzip offensichtlich, gefühlte wahrnehmung und meinung. der unterschied zwischen meinung und realität scheint schwer erträglich

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    2. Anonymous

      offensichtlich nur für menschen mit erheblichen psychischen Beschädigungen.
      verstehe aber nicht, warum sie in ein öffentliches forum gehen – dafür eignen sich wirklich eher selbsthilfegruppen, therapeutische sitzung etc. –
      verstehe aber andererseits, das wirkliches aus-einander-setzen für sie wohl nicht möglich ist. viel glück trotzdem

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    3. Steinmädchen

      a) Die Initiative die aufgerufen hat, ist KEINE Betroffenengruppe. Keine Selbsthilfe oder Therapieeinrichtung. Sie setzt sich mit der Schwierigkeit der jursitischen Gerechtigkeit nach sexueller Gewalt auseinander. Das heißt nicht, dass alle dort die gleichen Gewalterfahrungen gemacht haben. Außer wohl die, die für jede Frau in unserer Gesellschaft real sind. Was wohl an Gewalt auch reicht.

      b)selbst wenn es so wäre: Gewalt die strukturell verursacht wird, wird eben nicht am besten nur im stillen Kämmerlein oder bei Therapeut_innen besprochen sondern eben auch genau da woher die Gewalt kommt: In der Gesellschaft.

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  2. Anonymous

    Toller Artikel! Lass’ Dich nicht runterziehen von den betroffenenfeindlichen Kommentaren.

    Therapie im geschützen Rahmen zu machen ist eine Sache, aber es ist auch wichtig, dass Betroffene sich öffentlich zeigen, denn sexuelle Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.

    Dass Betroffene davor Angst haben müssen, sich zu zeigen, das ist ja gerade das Problem!

    Mir (auch Betroffene von sexueller Gewalt) ist bei diesen ganzen Kachelmann Diskussionen schmerzhaft klar geworden, wie tabuisiert sexuelle Gewalt immer noch ist und wieviele Leute sexuelle Gewalt eigentlich immer noch leugnen, auch wenn sie aus political correctness sagen, dass sie gegen sexuelle Gewalt sind.

    Wenn Betroffene reden, kommt dann ein dickes “aber….”.

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