Die Mädchenmannschaft, meine ersten Schritte im Netzfeminismus und ein Plädoyer für mehr Parteilichkeit

Ich bin noch nicht lange im Netzfeminismus unterwegs. Klar, Mädchenmannschaft habe ich schon vorher gelesen. Und meinen Blog betreibe ich seit 2007. Es war mehr eine persönliche Geschichte. Gedichte und Prosa die ich geschrieben habe, um anderen Menschen zu zeigen, was mich beschäftigt. Literatur zu veröffentlichen.
Weniger direkt politisch.
Vor wenigen Monaten fingen durch eine Verlinkung auf der Mädchenmannschaft Menschen an meinen Blog zu lesen. (danke @RiotMango!) Ich fing an wieder mehr zu schreiben. Stellte fest, dass ich jede Menge zu sagen habe, auch ohne es in Geschichten und Gedichten verpacken zu müssen.
Einen Monat später meldete ich mich bei Twitter an. Dieses neue Universum faszinierte mich. Das Tempo haute mich fast um. In einer Geschwindigkeit entdeckte ich Neues und während ich noch mit lesen beschäftigt war, hatten andere schon darauf reagiert.
Ich freute mich über vieles. Den tollen Empfang (danke an all die lieben Menschen die mir sofort gefolgt sind und so freundlich willkommen hießen!) , die Informationsflut und vor allem über ganz viel radikalen Feminismus. Auch die Auseinandersetzungen über Rassismus und Critical Whitness brachten mir sehr viel. Ich schreibe dazu weniger, ich lese mehr. Informiere mich und lerne dazu.
Aber mit Twitter und der Blogsphäre trat auch viel in mein Leben, was ich lange Zeit verbannt hat. Nachrichten, Informationen über die ganze Kackscheiße in der Welt. Oft auf eine coole Art und Weise kritisch reflektiert.
Fasziniert übte ich mich in teilnehmender Beobachtung, die immer mehr teilnehmend wird. Lernte neue Begriffe die mich begeistern. (#servicetweet, einself, all diese ganzen Twittercodes – die für mich völlig neu und fremd waren) Ich bekam die ersten scheiß Kommentare auf meinem Blog. Herrklärerei und Morddrohung. Das erwischte mich ziemlich kalt, obwohl ich eigentlich für mich klar hatte, das sowas passieren kann. Dass der erste Troll-Kommentar ausgerechnet auf meinen Post „Feminismus macht glücklich“ kam, verstörte mich etwas. Doch die Reaktionen halfen mir, damit umzugehen.
Vieles ärgerte mich auch. Passiv-aggressive Kommunikationsformen, Beiträge an Menschen die bewusst angesprochen, aber nicht direkt adressiert werden. Aber noch mehr macht mich wütend, wie oft Solidarität eben auch fehlt. Aus Unsicherheit (was passiert mit mir, wenn ich mich klar positioniere) und einfach Kackscheißgründen (ich bin doch nicht rassistisch, und überhaupt, „diese ganze Critical Whiteness Geschichte“…) wird dann eben auch mal gar nicht reagiert.
Nicht reagieren ist immer auch Handeln. Nicht-positionieren ist auch nie neutral.
Wenn ich dann lese wie auf die Mädchenmannschaft, auf einige echt coole Frauen* losgegangen wird werde ich richtig wütend. Hass gegen Feministinnen so nah mitzuerleben verletzt mich auch. Gerade wenn es wegen radikaler und/oder antirassistischen Positionen passiert. Der Versuch, Das kann ich oft in meiner Naivität gar nicht verstehen (ich hab mal gelernt, Menschen mit vielen negativen Erfahrungen neigen dazu, weil sie nicht lernen, ihren eigenen Einschätzungen zu vertrauen…). Ich kann nicht verstehen, woher dieser Hass kommt.
Dann denke ich mir: Hier wird etwas richtig gemacht. Das zeigt, dass dieser (inzwischen wohl auch meiner, also unser) Aktivismus angreift. Das ist gut. Ich würde gerne mehr Unterstützung zeigen. Weil ich zum ersten Mal in der feministischen Politik die Erfahrung machen durfte, dass meine Gefühle nicht außen vor bleiben müssen, dass ich Wut und Verletzungen auch äußern kann. Und Unterstützung erfahre.
Stichwort: Parteilichkeit.
Parteilichkeit bedeutet mir unendlich viel, weil ich selbst erfahren habe wie wichtig das ist, mal nicht hinterfragt zu werden in der Wahrnehmung, im Erleben. Das Gewalt als das eingeordnet wird, was sie ist. Das durfte ich durch meine radikalfeministische CIA-Gang im Offline-Leben lernen. Und ich finde es so wichtig, dass das auch fürs Internet gilt. Solidarisches Verhalten.
Daher hier mal ganz öffentlich: Meinen Respekt und auch viel Dankbarkeit an die Mädchenmannschaft, dass ihr trotz der Nazivergleiche (dass das nicht echt mal ausgedient hat…) und der Gewalt, die euch entgegenschlägt, weitermacht. Schön euch kennenzulernen, ich freue mich auf mehr Begegnungen, gemeinsames Austeilen und gegenseitiges Unterstützen, online wie auch Offline.

3 Gedanken zu „Die Mädchenmannschaft, meine ersten Schritte im Netzfeminismus und ein Plädoyer für mehr Parteilichkeit

  1. Christian

    Das klingt irgendwie nach Solidarität um jeden Preis. Ich finde da ja eine Diskussionskultur besser, in der man seine Meinung sagen kann und dann die Argumente ausgetauscht werden, auch wenn man nicht mit allen übereinstimmt.

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  2. Pingback: Ich kann nicht atmen | Identitätskritik

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