Psychiatrisch-Patriarchale Kontrolle Teil 2: Gewaltvoller Alltag

Hier kommt Teil 2 von 3 der Reihe: “Psychiatrisch-Patriarchale Kontrolle. Kontinuitätslinien der Konstruktion von Devianz bei Frauen durch die Kategorie “Wahnsinn”.” Dabei geht es in diesem Teil um traumatische Erfahrungen im Frauenkörper ™ und um Gewalt in der psychiatrischen Praxis. Teil 1 findet ihr hier. Und Teil 3 hier.

Alltagsrealtitäten: Gewaltvolle Praxis

Psychiatrie kann als Internierungsort zunächst einen sicheren Rahmen darstellen, es wird Vollversorgung geboten sowie eine klare Tagesstruktur. Auf der andere Seite wirkt sie entmündigend. Menschen werden unselbstständig gemacht und alleingelassen, Gesprächsangebote finden kaum statt. Begründungen dafür sind oft finanzielle Möglichkeiten, doch bei näherer Betrachtung erweist sich dies als vorgeschobenes Argument: Einrichtungen mit Gesprächsangeboten sind nur halb so teuer wie Psychiatrien, wo ein Tag 250 Euro kostet, in einer antipsychiatrischen Einrichtung wie dem Weglaufhaus1 in Berlin (mit Gesprächsangeboten rund um die Uhr) kostet ein Tag 130 Euro.2

Während sich direkte Gewalt in der Psychiatrie verringert hat (aber dennoch ist sie allgegenwärtig!), gibt es eine Zunahme an Regulierungsmechanismen, die das Selbst durchziehen, aber auch Maßnahmen wie Zwangsmedikamentation und Fixierung sind noch nicht aus dem psychiatrischen Alltag verbannt.3

Nicht nur in der Theorie gilt die Frau als Abweichung vom Mann, sondern auch in der Praxis der Psychiatrie und Psychotherapie. Diese richtet sich nach dem Mann als gesunde erwachsene Persönlichkeit aus, was es unmöglich macht, eine erwachsene Frau außerhalb ihrer Rolle zu sein.4 Weder in ihrer Rolle noch in der Abweichung davon kann sie gesund sein. Im öffentlichen Umgang wird dies selten thematisiert. „Krankmachende Lebenswirklichkeiten von Frauen werden individualisiert, das heißt als persönliche Einzelschicksale gedeutet“.5 Dabei sind es gerade die Lebensumstände, die Frauen in der Gesellschaft wahnsinnig machen. Burgard ist der Überzeugung, „dass ein ursächlicher Zusammenhang besteht zwischen der Lebensrealität von Frauen, die in der Regel durch Machtlosigkeit und Abwertung gekennzeichnet ist, und der Entwicklung bestimmter psychischer Krankheiten.“6

Frauen lernen früh sich Misshandlungen gefallen zu lassen. Schon als Kinder bauen sie psychologische Sperren auf, werden konditioniert sich nicht zu wehren, stattdessen einfühlsam und zurückhaltend zu sein.7 Dies erschwert auch die Reaktion auf gewaltvolle Praxis in der Psychiatrie. Im Folgenden geht es nun zuerst um die Darstellung traumatischer Erfahrungen im Frauenkörper, die Wahnsinn auslösen können. Im Umgang damit gibt es keine gesellschaftliche Auseinandersetzung über (patriarchale) Machtstrukturen, sondern die Hinführung zu psychiatrischer Gewalt, die sowohl direkt als auch durch Internalisierung funktioniert, dies führe ich im zweiten Abschnitt näher aus.

Traumatische Erfahrungen im weiblichen Körper

Warum sich anschauen warum Frauen krank werden, wenn Wahnsinn selbst doch nur eine Konstruktion ist? Die Antwort in der Einleitung zum Sammelband „Frauen in ver-rückten Lebenswelten“ ist klar und eindeutig: „Patriarchaler, struktureller Wahnsinn umgibt und durchdringt unser Leben, verrückte Außenwelten produzieren verrückte Innenwelten.“8

Frauen leben in Lebensumständen, die potentiell krankmachend sind. Diese Verhältnisse zu thematisieren ist nicht immer leicht und stößt gesellschaftlich auf Proteste. Ein Zitat von Burgard macht sehr deutlich, wie absurd dieser Zusammenhang ist:

Die Folge ist, dass Frauen subjektiv an einer Situation leiden, die es angeblich objektiv gar nicht gibt, was potentiell verrücktmachend ist. Sich gegen etwas zu wehren und aufzulehnen, was verschwiegen und verleugnet wird, ist sehr schwer.“9

Der Protest wird besonders erschwert dadurch, dass die Machtstrukturen weit in den Körper hineingreifen. Der Körper bekommt eine essentielle Bedeutung im Patriarchat. An dem Körper wird der Wert der Frau gemessen, ist sie attraktiv, begehrenswert – immer vom Blick den Mannes aus betrachtet. Für Männer gelten zwar auch Normen, aber in erster Linie zählen noch immer Geld, Erfolg und Macht, bei Frauen ist es dagegen sehr wichtig attraktiv zu sein.10 Die Frau fungiert als Objekt, die Subjektivität scheinbar erlangen kann, in dem sie ihren Körper ausspielt. Wenn dieser dann aber durch sexualisierte Gewalt angegriffen wird, hat dies weitreichende Folgen. Duda schreibt dazu:

Es hat den Anschein, als ob den Frauen nur der Körper bleibt.[…] So führt die Zerstörung ihrer körperlichen Integrität der Frau vor Augen, daß das, was im Patriarchat ihr einziger Wert ist, nicht mit Macht ausgestattet ist, sondern beliebig vernichtet werden kann.“11

Mädchen werden nicht ermuntert sich auch körperlich zu wehren, sie lernen, dass sie von Erwachsenen geschützt werden müssen und „wachsen somit leicht in Rolle des ergebenen Opfers, des braven Mädchens, das sich nicht schlägt, das früh gelernt hat, viel zu erdulden.“12

Im erwachsenen Leben wartet auf viele Frauen die Ehe. Die Ehe birgt für Frauen das größte Risiko psychisch zu erkranken.13 Die Gründe reiße ich nur kurz an: Mangelnde Würdigung der Arbeit, Doppel- und Dreifachbelastungen, alleinige Zuständigkeit für Sorgearbeit und meistens ökonomische Abhängigkeit. Eine Ehe kann für Frauen auch bedeuten jederzeit sexuell verfügbar zu sein. Denn obwohl Vergewaltigung in Ehen inzwischen als strafbar gilt, wird sie in gerichtlicher Praxis geringfügiger eingestuft. Hinzu kommt, dass Frauen sich in Ehen aber auch selten verweigern: „Nehmen sie ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmung nicht in Anspruch, kann es ihnen auch nicht mit Gewalt genommen werden.“14 Strukturelle Gewalt geht somit als Teil in das Bewusstseins ein, es wird sich mit einer Realitätsleugnung arrangiert.

Im Umgang damit kommt dann die Konstruktion von Wahnsinn mit ins Spiel, wo eine Schuldumkehr fungiert und die Frau diejenige ist, die mit den Folgen von (zumeist) Männergewalt umgehen muss. Viele „verrückte” Reaktionen nehmen direkten Bezug auf den Körper. Dabei kann dieser ganz unterschiedliche Funktionen bekommen. Der Körper wird oft abgelehnt als das Schuldige, weswegen Gewalt angetan wurde.15 Als Beispiel wird oft der direkte Angriff auf den weiblichen Körper angeführt: Magersucht und Selbstverletzungen als offensive Zerstörung. Autoaggressionen haben viele Funktionen, die einzelnen Funktionsweisen können gleichzeitig Hintergründe erklären. Die Handlungsfunktion macht deutlich, dass es darum geht, dass Frauen überhaupt autonom handeln können. Die Schädigungen bieten die Möglichkeit zur Reinszenierung traumatischer Situationen, bei denen durch die Wiederholung Lösungen gesucht werden können. Bei Funktionen von Halt und Kontrolle geht es darum, die eigenen Gefühle einzugrenzen sowie bei Dissoziationen und Flashbacks zurück zum Ich, zum Körper zu finden. Damit fungieren Selbstverletzungen als identitässichernd. Der Beziehungsaspekt konzentriert sich vor allem auf ein Opferritual, um mit den Ambivalenzen von Fürsorge und Scham umgehen zu können.16 Selbstverletzung somit fungiert als Schutz und Abwehr von Nähe, dient aber auch gleichzeitig als Kontaktaufnahme mit sich selbst. „Damit ist Selbstverletzung eine Lösung des Dilemmas zwischen Wunsch nach Nähe und Angst vor Fusion, Gewalt und Übergriffen.“17

Die scheinbar „verrückten” Handlungen ergeben in ihrer eigenen Logik sehr viel Sinn, psychotische Symptome die auf traumatischen Erfahrungen basieren, Ablehnung des eigenen Körpers, bis hin zur kompletten Abspaltung des eigenen Selbst in der sogenannten „Dissoziativen Identitätsstörung“.18 Brügge schreibt dazu, dass es schwierig ist zu verstehen, wie „eine Reaktion auf unerträgliche Erfahrungen, d.h. eine Überlebensstrategie, eine Notwehr, zu Krankheit erklärt wird.“19

Psychiatrische Gewalt

Einmal im psychiatrischen System angekommen, ist es schwer wieder herauszukommen. Burgard berichtet von Hildegard B., die ihren Ehemann wegen seiner Affairen im Beisein ihrer Kindern konfrontiert. Daraufhin verprügelt ihr Mann sie mit Hilfe des achzehnjährigen Sohnes. Sie flüchtet sich in die Toilette und einer der Männer ruft die Polizei um Hildegard in eine Klinik einzuweisen – mit der Begründung sie wäre dort schon gewesen und gehöre dort hin.20 Wie das Beispiel von Hildegard B. zeigt, ist die Begründung: „Du warst schon einmal in der Psychiatrie“ ausreichend um eine Einweisung zu legitimieren21, die Mündigkeit abzusprechen. Die Diagnose und der Status einer psychisch Kranken lässt sich nicht mehr so einfach ablegen. Bei der Reaktion darauf, den Versuchen einen Umgang zu finden, entsteht eine Double-bind22 Situation:

Zeigen sie Krankheitseinsicht, das heißt, resiginieren sie, weil sie kein Entkommen sehen, sind sie gerngesehene Patient/innen. Zeigen sie keine Krankheitseinsicht, weil sie sich gegen die Zwangseinweisung wehren, müssen sie mit einer zielgerichteten Behandlung dahin gebracht werden, dass sie sich den Anweisungen der Ärzte fügen und ihre Krankheit akzeptieren. In beiden Fällen sind sie jedoch dazu verurteilt, Patient/innen zu bleiben!“23

Dieses Zitat macht deutlich, wie wenig Spielraum nach einer Kategorisierung als psychisch kranke Person besteht. Diese zeigen sich sowohl bei Zwangseinweisung als auch bei selbstgewählten Therapien, da diese auch auf einer „Krankheitseinsicht“ aufbauen.

Heute weniger üblich, aber gerade auf geschlossenen Stationen durchaus nicht abgeschafft sind körperliche Zwangsausübungen. Fixierungen finden auch heute noch statt. Die Begründungen lauten ähnlich wie in den 80er/90ern: Unruhe, aggressives Verhalten, Verweigerung von Medikamenten. Diese gewaltsamen Übergriffe werden zumeist durch Männer ausgeübt, was retraumatisierende Effekte haben kann.24

„Frauen, die traumatisierende Erfahrungen gemacht haben, reagieren mit extremer Angst und Wut. Wenn sie keine therapeutischen Räume finden, in denen diese Gefühle Platz haben, wenn sie im Zustand größter Verwirrung nicht einmal Schutz vor zusätzlicher ,Anmache‘ und Gewalt erfahren, muß ihre Situation fast zwangsläufig eskalieren.“25

Hier wird erneut eine absurde Situation deutlich, in der durch die Behandlung eine Reaktion, zum Beispiel „aggressives Verhalten“, gerade hervorgerufen wird, als Reaktion auf gewaltvolle Zwangsmaßnahmen.

Dieses System wird jedoch in der Psychiatrie nicht offen gelegt, im Gegenteil, statt strafen und disziplinieren sind die Begrifflichkeiten helfen und heilen. Es wird sich bemüht ein Gespräch auf Augenhöhe zu suchen. Der deutliche Zwang von Außen wird internalisiert und zum Selbstzwang umgewandelt. Das neue ist die „selbstverantwortlichen Einwilligung in den ungleichen Behandlungsvertrag“, was bedeutet auf sich selbst zu blicken „wie ein gesunder Experte auf eine Kranke“.26

Von Trotha kritisiert das Verhältnis zwischen Psychiatrieangestellten und Betroffenen, besonders ein Versuch, eine Ebene auf Augenhöhe zu propagieren, die es nicht geben kann. Er vergleicht es mit einem Gefängniswärter, der schließlich auch nicht der Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte der Insassen ist.

„Nur in der Psychiatrie gibt man sich der Illusion hin, die Gesetze institutioneller Kommunikation unterlaufen und gleichzeitig die gesellschaftliche Funktion der Psychiatrie als Verwahr-, Ausgrenzungs- und (Wieder-) Eingliederungsinstanz für Verrückte erfüllen zu können. […] Gefährlich ist das auf einer solchen Illusion beruhende psychiatrische Handeln aber deshalb, weil es die Betroffenen zusätzlich entmündigt. Denn die Psychiatrie kann durch diese permanente Grenzüberschreitung auch noch den inneren Bereich des Persönlichen, der dem institutionellen Zugriff ansonsten entzogen bliebe, einverleiben.“27

Damit übt von Trotha Kritik an einem Verständnis, dass psychiatrische Gewalt nur durch Zwangsmaßnahmen verübt und somit heutzutage nicht mehr aktuell sind und drückt dies scharf aus: „An die Stelle unmittelbar äußerer Gewalteinwirkungen tritt eine chronifizierte Selbstvergewaltigung, deren gewalttätiger Charakter nach außen hin unsichtbar bleibt.“28

Eine ähnliche Kritik üben Bertoluzza u.a., in dem sie untersuchen, wie feministische Arbeit, statt sich mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen, durch Diagnosen und Krankheitsbilder immer mehr zur Arbeit am eigen Selbst wird. Dieses Selbst

„ist ein Selbst, das sich selbst genügt und einkreist, sich in selbsttätiger Arbeit kontrolliert und außer den Abweichungen von der Norm, denen selbstreflektiert oder mit therapeutischer Beratung abgeholfen wird, keine Referenzpunkte mehr hat.“29

Die Verortung in der Gesellschaft findet somit nur ihren Platz durch die (Selbst-)Analyse der eigenen Abweichung. Die Disziplinierungspraktiken der Psychiatrie wie Selbstüberwachung, Isolierung und Individualisierung werden in die Gesellschaft hineinverlagert. Die Verrücktheiten werden in die Normalität integriert, zwischen den Therapiestunden und Psychiatrieaufenthalten bleiben die Frauen funktionsfähig.30


1Das Weglaufhaus ist eine Einrichtung, in die Menschen gehen können, die aus der Psychiatrie “weglaufen”. Psychopharmaka werden nicht verabreicht, stattdessen die Möglichkeit zu Gesprächen geboten. Die Mitarbeiter_innen haben oft selbst Psychiatrieerfahrungen gemacht. Nährere Infos gibt es online unter: www.weglaufhaus.de

2Walther, T. (2002): Die Situation von Frauen in der stationären Psychiatrie und Psychotherapie. In: R. Burgard (Hg.), Frauenfalle Psychiatrie. Wie Frauen verrückt gemacht werden. Berlin [Fallbeispiele 1980]. S.183.

3Dazu auch: Stratenwerth (1999) sowie bei der Irren-Offensive.

4S. Duda & L. F. Pusch (Hrsg.) (1996): WahnsinnsFrauen. Band 2. Frankfurt am Main. S.9.

5Walther (2002) S.183.

6Burgard, R. (2002): Frauenfalle Psychiatrie. Wie Frauen verrückt gemacht werden. Berlin [Fallbeispiele 1980].S.12f.

7Vgl. Ebd. S.53f.

8Brügge, C. (1999): Einleitung. In: C. Brügge & Wildwasser Bielefeld e.V. (Hrsg.), Frauen in ver-rückten Lebenswelten. Bern. S.12.

9Burgard (2002) S.69.

10Vgl. Brügge (1999) S.87.

11S. Duda & L. F. Pusch (Hrsg.) (1992): WahnsinnsFrauen. Band 1. Frankfurt am Main. S.8.

12Burgard (2002) S.42.

13Vgl. Ebd. S.11.

14Burgard (2002) S.49.

15Vgl. Ebd. S.89.

16Vgl. Hilsenbeck, P. (1999): Irrsinn – Eigensinn – Ihr Sinn. Therapie im Kontext von Gewalterfahrungen und Psychosen, Reinzenierungen und transpersonaler Erfahrung. In: C. Brügge & Wildwasser Bielefeld e.V. (Hrsg.), Frauen in ver-rückten Lebenswelten. Bern. S.37f.

17Hilsenbeck (1999) S.39.

18“Dissoziative Identitätsstörung” (nach dem ICD-10), früher als Multiple Persönlichkeit bekannt.

19Brügge (1999) S.11.

20Vgl.Burgard (2002) S.115.

21Rein gesetzlich gibt es selbstverständlich andere Vorgaben, wie die jedoch in der Praxis umgesetzt werden hängt von Reaktionen der Polizei und der Richter_innen ab, die eine Person für fremd- oder selbstgefährdend erklären können.

22Dabei handelt es sich um einen Begriff aus der Schizophrenietheorie: Aussagen und Handlungsweisen werden übermittelt, die sich widersprechen. Dazu Burgard (2002) S.68.

23Ebd. S.174.

24Stratenwerth, I. (1999): Fixiert und verstummt. Frauen, Gewalt und Psychiatrie. In: C. Brügge & Wildwasser Bielefeld e.V. (Hrsg.), Frauen in ver-rückten Lebenswelten. Bern. S.233ff.

25Stratenwerth (1999) S.241.

26Bertoluzza, E., Gitzl, M. & Ralser, M. (1994): Der weibliche Wahnsinn zwischen Ästhetisierung und Verleugnung. In: E. Bertoluzza & Frauensymposium (Hrsg.), Pathos – Psychose – Pathologie: der weibliche Wahnsinn zwischen Ästhetisierung und Verleugnung. Frauensymposium Innsbruck 1993. Wien. S.26.

27Von Trotha, T. (1994): Über die Unmöglichkeit, eine „Psychose“ zu erfahren, oder, was mir nicht hilft, wenn ich verrückt werde. URL.

28Ebd.

29Bertoluzza et al. (1994) S.21.

30Vgl. Bertoluzza et al. (1994) S.13.

6 Gedanken zu „Psychiatrisch-Patriarchale Kontrolle Teil 2: Gewaltvoller Alltag

  1. Criz

    Hey, gar nicht inhaltlich oder so und vllt auch nicht so wichtig, aber der Link zum Weglaufhaus funktioniert leider nicht…

    Antworten
  2. C. Rosenblatt

    Alles bekannt und selbst erlebt (als Jugendliche!)

    Krass hart aber für mich auch gut es unter dem hier gewählten Blickwinkel zu betrachten
    und einmal mehr zu sehen: Ja- auch hier hat jemand die Scheiße mit der Begrifflichkeit “strafen disziplinieren” und”helfen heilen” gesehen.

    Antworten
  3. Feuertier

    Wow!
    Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welcher Eloquenz & gleichzeitiger Empathie Du mit diesem Thema umgehst und wie leicht verständlich & stringent Du diese komplexen Machtverhältnisse darstellen kannst.
    Nicht alle meine Freundinnen haben Abitur oder haben Gender Studies oder Philosophie studiert. Du bietest mit Deiner Herangehensweise in meinen Augen ein gutes Beispiel für Einschluß statt Ausschluß, kann uns doch nur daran gelegen sein, allen Betroffenen & Interessierten/potentielle Unterstützer*innen Raum für eigene Gedanken zu geben.

    Was Du über ärztliche Verlangen nach “Krankheitseinsicht” & “Selbstzwang” schreibst & auch über die Hierarchien, die eine wirkliche Kommunikation quasi unmöglich machen – nun, mich hat es ziemlich aufgewühlt. Ist kein ganzes Jahr her, daß ich mich selbst eingewiesen habe & genau diese Erfahrungen machen mußte. Ich schwankte irgendwann nur noch zwischen Todesangst-Starre, Wut, Demütigung & dem Gefühl, mein Tod wäre für alle Beteiligten sinnvoller.

    In diesem Zusammenhang fällt mir noch ein Punkt ein, den Du vielleicht noch im dritten Teil besprichst, aber falls nicht, hier ein paar Gedankenfragmente von mir:

    Extrem viele psychiatrisierte Frauen haben Gewalt erlebt, nicht wenige davon sexualisierte Gewalt (in der Kindheit). Wenn frau sich hierzu “geoutet” hat, läuft nach meiner Erfahrung ein immer gleicher Mechanismus ab: Ich nenne das “Gutes Opfer – schlechtes Opfer”.

    Frauen sind per Geschlecht ja von außen auf den Opfer-Status festgelegt/hineingedrängt, der Subjektstatus wird ihnen gerne mal abgesprochen & so erfüllt das “gute Opfer” alle Anforderungen an ihre (weibliche) Geschlechterrolle. Sie weint, ist traurig, hilflos, möchte beschützt werden. Man(n) nimmt ihr ab, daß sie wirklich Opfer war.
    Ganz anders Frauen/Lesben/Inter/Trans, die entweder äußerlich und/oder mit ihrem Verhalten aus diesem “Opfer-Muster” herausfallen. Weil sie laut sind, weil sie wütend sind über die Verhältnisse, weil sie lesbisch sind, kurze Haare haben, “männlich” wirken oder alleine schon deswegen, weil sie wissen wollen, welche Psychopharmaka sie bekommen oder warum gerade jene Therapie angesetzt wurde. Das alles macht aus ihnen “schlechte Opfer”. Sie passen nicht ins Schema, sie sind unbequem & ein ganz spezieller Problemfall innerhalb des prinzipiellen Problemfalls „Frau“.

    Wenn dann noch beliebte Diagnosen wie “Borderline” dazukommen, hat man wieder das, was Du schon einmal beschriebst: Mehr Frau geht eigentlich gar nicht!
    Bloß, warum wollen die sich nicht fügen & haben kurze Haare & treten gegen Dinge?
    Naja, abnorm eben. Bestimmt kein “richtiges Opfer”. Nur ein “falsches”.

    Umgekehrt funktioniert es ja auch mit dem Ernstnehmen von Männern/(sich) männlich definierenden Menschen, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Einem “richtigen” Mann geschieht so etwas selbstverständlich nicht. Also muß der “irgendwie” falsch sein.

    Norm & Abweichung definieren. Aufrechterhaltung des Status Quo & Disziplinierung der vermeintlichen Devianz. Manchmal habe ich das Gefühl, Psychiatrie existiert nur deswegen um uns endlich wieder auf “unsere Plätze” zu verweisen.

    Bin ich zynisch? Aber nicht doch, ich bin realistisch…

    Antworten
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