Lebensfarben

die welt, die tanzt, die musik, die dröhnt, das bett, das schwankt, alles voller bunter farben, ein karusell, dass sich immer schneller dreht und schneller und schneller…

Smilla öffnet stöhnend die Augen. In ihr dreht sich alles, ihr Magen rebelliert. Wogegen, fragt sie sich – wie war sie überhaupt in ihr Bett gekommen? Und überhaupt, was war letzte Nacht los gewesen?
Viel zu viele Fragen für mitten in der Nacht… Warum zum Teufel war es soll hell? War das der Mond? Vollmond gehörte doch abgeschafft…
Schnell schließt Smilla die Augen wieder. Ihre Hand tastet nach der Wasserflasche, die neben dem Bett steht. Sie kann sie nicht greifen, stößt sie um. Vorsichtig versucht sie sich zur Seite zu drehen, ihr Kopf fühlt sich an wie eine Waschmaschine auf Hochtouren, kurz vor der Explosion.
Mit konzentrierter Miene hebt Smilla ihren Oberkörper und hebt die Flasche zum Mund. Sie trinkt und trinkt, ihr verdunsener Körper giert nach dem Wasser.
Erschöpft lässt Smilla die Flasche fallen.
Sie kippt um und auf dem Boden bildet sich eine kleine Wasserlache.
Smilla betrachtet den kleinen Fleck. Das Licht der Sonne bricht sich darin, die bunte Decke färbt ihn orange. Smilla beugt sich herunter und berührt mit dem Finger die Oberfläche. Das Wasser erziehtert, das Licht flackert, doch die Lache breitet sich nicht weiter aus.

flackernde lichter, nasser Boden, nasser Tisch

Smilla lässt sich zurück in ihr Kissen sinken, das Zopfgummi zerrt an ihren Haaren. Sie löst es. Ihre dunklen Locken fallen ihr ins Gesicht. Sie riechen nach Rauch. Zigarrettenrauch. Und ein frischerer Geruch, voller, lebendiger.

rauchschwaden verhüllen die gesichter, offene münder, geschlossene augen, tanzende körper, der geschmack von rauch, der unverkennliche geruch von den unzähligen kreisenenden joints betörrt die sinne, lautes lachen, freundschaft, zuneigung, überall glück, das bier fließt in strömen, in einer pfütze spiegelen sich körper, untrennbar vereint, bewegung durchzieht den raum, stolpern durch zimmer eine treppe hinauf, ein raum, frische luft, reine kissen, ganz weiß, nackte körper, die sich suchen, fordernde münder, verlangende hände, reines begehren, hingabe

Smilla liegt mit geschlossenen Augen da, spürt die Energien der vergangenen Nacht durch ihren Körper fließen. Mit ihren Händen fährt sie die Bahnen an ihrem Körper entlang, denen fremde Finger in der letzten Nacht gefolgt sind. Sie will sich in der Erinnerung verlieren, die lückenlos durch ihren Kopf zieht, jedoch vollkommen Konturlos, alles ist weich und sanft, die Farben verwischt.
Eine Nacht voller Freundschaft und Liebe, alle gemeinsam vereint im Rausch, pures Glück, Leben durch Hingabe.
Smilla kuschelt sich unter ihre Decke, zieht diese eng um sich, will sich im Schlaf verlieren, hinabtauchen in ein Welt des wohligen Entschwindens. Auflösen, Verwischen. Die Welt des puren Glücks wieder spüren. Wenn alles Poren geöffnet sind und Körper und Geist mit jeder Faser das Leben in sich fühlen.
Doch anstelle von Musik ertönt der Lärm der Straße, und statt Kerzen und Mondlich brennt die Morgensonne ins Zimmer.
Ein schöner Morgen, denkt Smilla.
Aber eindeutig zu früh.
Mühsam quält sie sich aus dem gemütlichen Bett und schwankt zum Fenster. Ihre nackten Füße sind auf dem glatten Boden gut zu hören. Gedanken durchströmen sie, doch sie sind so schnell weg, dass sie kaum zu fassen sind. Einen Moment fragt sie sich, ob es eine Rolle spielt, dass sie nur in Unterwäsche am Fenster steht, doch schon hat dieser unwichtige Gedanke ihren Kopf schon wieder verlassen.
Smilla schließt die schweren Vorhänge, das Zimmer wird wieder dunkel. Nur noch die rote Stehlampe verbreitet Helligkeit, taucht den Raum in einen weichen Schimmer.

leuchtende farben, dunkelheit hinter den fenstern, kleine helle punkte am himmel, die sterne glitzern, erzählen ihre geschichten

Zurück im Bett schaltet Smilla die Anlage an, Reagge übertönt den Autolärm. Im Schneidersitz hockt sie sich aufs Bett, sie braucht keine Decke, die Sonne hat das Zimmer ausreichend aufgewärmt.
Sie greift nach dem Aschenbecher. Ein halber Joint ist noch darin. Smilla zündet ihn an und nimmt einen tiefen Zug. Eine wohlige Wärme durchfährt ihren Körper. Die Farben kehren zurück, der Magen hat seine Revolte entgültig aufgegeben, ein Gefühl des Friedens breitet sich in Smilla aus.
Noch ist sie nicht bereit, sich dem Tag zu stellen. Noch muss die Nacht ein bisschen andauern. Und sie sinkt wieder hinein in die Traumwelt, wo Körper und Geist sich auflösen und völlig losgelöst dahinschweben.

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