Bääähtschelohr

Bin ich eigentlich die Einzige, die sich gänzlich unqualifiziert fühlt? Wenn ich mir vorstelle, in zwei Jahren hab ich meinen Abschluss. Bääähtschelohr. Klingt schon ziemlich bäh.
Die Seminare ziehen an mir vorbei, genau wie die ersten beiden Semester. Ich habe ein paar Bücher gewälzt. Habe mich mit alternativen Lebenskonzepten beschäftigt. Habe von einer anderen Art des Lebens geträumt. Tu es immer noch.
Und bin doch… nicht anders als andere. Ich wähle die Sicherheit anstatt das Abenteuer. In den Ferien mal ein kleiner Ausbruch, eine kleine Reise.
So lange ich dazu nicht den Rasen betreten muss. Steht irgendwo „Stopp“, halte ich an. Musterexemplar einer Bürgerin. Abitur in 13 Jahren. Direkter Beginn des Studiums. 3 Jahre Regelstudienzeit, damit mir das Bafög auch nicht gestrichen wird – und damit ich früh fertig bin.
Aber ich hab doch keine Ahnung! In den Weiten des Studiums merke ich wie wenig ich weiß, wie viele Bücher ich gerne lesen würde, wie viel Zeit ich dafür bräuchte. Und ich merke, wie viel ich gerne erleben würde.
Doch in den Semesterferien schreibe ich Hausarbeiten und lese Bücher. Nächstes Jahr im Sommer ein Praktikum. Und dann ist der Bääähtschelohr schon vorbei.
HILFE!
Ich werde unter der Brücke landen, alle werden meine Ahnungslosigkeit merken und dann wird man mich auslachen und rauswerfen vor dem Einstellen und ich werde in den Untergrund gehen, die Revolution planen, feststellen, dass ich dabei den verbotenen Rasen betreten müsste und wieder fliehen. Und dann wird es sowieso den nächsten Krieg geben und Bomben fliegen und die Welt zerbricht eh aus den Fugen und Orkane und andere Naturkatastrophen werden uns überrollen, die Welt wird in Finsternis versinken und es wird sowieso kein Entrinnen geben und dann ist es auch egal dass ich keine Arbeit finde.
Kurze Luftholpause.
Ähm.
Ich gebe zu ich bin manchmal leicht dramatisch, und neige zu einem gewissen Pessimismus, aber eigentlich bin ich ziemlich realistisch. Finde ich.
Vielleicht ist es dezent übertrieben mit dem Untergang der Welt, aber ich weiß wirklich nicht wohin mit mir in dieser Welt. Ich kann keine Raumschiffe bauen, ich kann nicht einmal mehr die pq-Formel, ich habe vergessen was das mit der Zentripetalkraft war und das mit den endoplasmatischen Redikulums (oder wie zum Teufel die Mehrzahl auch gebildet wird – falls es die geben sollte…) habe ich nie begriffen. In Englisch weigert sich mein Mund eine vernünftige Aussprache zu verwenden, Französisch zu sprechen ähnelt einer Gewalttat meinerseits.
Ich kann aus einem Schatten den Weltuntergang interpretieren, ich kann die Gesichtsausdrücke von Kuscheltieren deuten und ich kann ziemlich viele Zeilen über Zukunftspanik schreiben, ohne ein passendes Ende zu finden.
Vielleicht in zwei Jahren, ich bitte um Geduld. Dann hab ich schließlich einen Bääähtschelohr.

3 Gedanken zu „Bääähtschelohr

  1. klemmi

    Hallu du da?

    Interessanter Blog mit einem interessanten Eintrag, den ich in der Welt des Freien Internets *nachdenk* *wieder-durchstreich* mit google gefunden habe!

    Die Leiden eines Bachelors, aber wahrscheinlich einer völlig anderen Richtung, als die, die mir Kopfzerbrechen bereitet.

    Perspektivlosigkeit bereits im Studium. Tolle Organisation, alles passt zusammen! Lernen auf hohem Niveau ohne Effekt!

    x1,2=p/2+-sqrt(p²/4-q) ist doch nicht der heilige Gral; Vergessen ist normal. Deine Stärken – wo sind die nochmal? Jeder ist ein klein wenig genial!

    “Und wenn er […] im Leiden versinkt, wird er nicht […] eben da zu dem stumpfen, kalten Bewußtsein wieder zurückgebracht…”

    Nachdenken ist schön! Vergiss das machen nicht 😉

    Viele Grüße von einem 3.-Semester-Bachelor-“Physiker/Akustiker”

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